Der Nutzen der Namenforschung für Sprachgeschichte und Landeskunde eines Raumes ist allgemein anerkannt. Die Aussagekraft der geländeverhafteten Namenwelt als einer reichen Quelle sprach- und volkskundlicher, geschichtlicher, sachkundlicher und in umfassendem Sinn landschaftsbezogener Erkenntnisse macht die Namenforschung zu einer wichtigen Beziehungswissenschaft zwischen einer Vielzahl von Wissenszweigen.

Dazu gehören namentlich: Sprach- und Siedlungsgeschichte, Wirtschafts-, Rechts-, Familien-, Personen- und Kirchengeschichte, Volkskunde, Ethnologie, Archäologie, Geländeforschung, Naturgeschichte, Kartographie.

Ein nach wissenschaftlichen Grundsätzen geschaffenes Namenbuch enthält daher ein Dokumentationsmaterial von bedeutender Vielseitigkeit und hohem Wert für Landeskunde und Sprachwissenschaft.


Rings um Liechtenstein waren entsprechende Werke mittlerweile in Angriff genommen oder schon abgeschlossen worden: In Graubünden als Pionierwerk das Rätische Namenbuch von Robert von Planta und Andrea Schorta (1939, 1964), dann das Vorarlberger Flurnamenbuch (Bearbeiter: Werner Vogt), sowie das St. Galler Namenbuch, das allerdings mittlerweile eingestellt worden ist und heute wenigstens in der Region Werdenberg fortgesetzt wird durch das Projekt Werdenberger Namenbuch unter der Leitung von Hans Stricker.


In den letzten Jahren beschleunigte sich zusehends die Veränderung unserer Kulturlandschaft durch Überbauung, Bodenmelioration oder andere Zweckveränderungen infolge von Industrialisierung, Technisierung, Massentourismus und raschem sozialen Wandel. Wer diese Entwicklung verfolgt hat, weiss, dass mit solchen kulturräumlichen Bestandesaufnahmen nicht mehr länger zugewartet werden darf. Nicht nur schwindet mit dem Rückgang der bäuerlichen Bevölkerung die Zahl der verfügbaren kompetenten Informanten, sondern die Örtlichkeitsnamen selber sind heute einem rapiden Wandel unterworfen: Alte, traditionsreiche Bezeichnungen schwinden, und eine neue, teils künstliche Nomenklatur breitet sich aus, die nicht mehr den traditionell bäuerlichen Denk- und Anschauungsformen entstammt.