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Naaf  (Triesen)
1700 - 2200 m; 763,3 - 214,7 10-X

n̠¡f (d¼r ~ / —̠n- / —m ~ / fœm ~)
Talkessel in Valüna, im Obersäss2, auf drei Seiten durch Geröllhalden eingerahmt, teilweise Weide. Örtlich identisch mit †Valünernaaf.

Historische Belege
~1520 n̜aws (LUB I/4; S. 322): "schuldig ... z jagen ain tag jn ~"
~1618* Neürs (LUB I/4; S. 345): "schuldig zween Tag, den ainen in ~"

Wertung der historischen Belege
LUB I/4, 322, Anm. 3 verbindet den Beleg ~1520 naws nicht mit Naaf, sondern erwägt eine Verbindung zu Nonboda Triesenberg oder aber zu einem entsprechenden Namen der schweizerischen Nachbarschaft als einem Jagdgebiet der Werdenberger Grafen und von deren Nachfolgern. Träfe letzteres zu, würde sich natürlich die Alp Naus (urkundlich ~1570 Naws) Grabs anbieten (vgl. zu ihr Stricker 1974, 195f.). Wäre dagegen der Beleg naws doch mit unserem Naaf zu verbinden, dann liesse sich die Auslautdifferenz durch Heranziehung der rätoromanischen Flexionsbedingungen erklären: Pl. */navas/ - Sg. */nava/; aus letzterem mit der Verdeutschung /nav/ durch Verlust des auslautenden /-a/ (wozu Camenisch 1962, 146ff.) sowie schliesslich Verdumpfung des /̀a/.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 131: Naaf [im n̠¡f].
Nipp 1911, 31: Valüner Naaf [im n̠¡f]. NAVIS 'Schiff, Mulde' passt lautlich und begrifflich einwandfrei. NOVUS ist nicht möglich, da es [nu¼f] ([ni¼f]?) ergeben hätte.
Seli 1912, 113: Nof.
Stricker 1981b, 277: Naaf. Offenkundig zu vorröm. *nava 'Gefäss, Mulde'.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Der Ansatz von Frick 1979 ist abzulehnen. Mhd. mocke m. 'Klumpen' ergibt in der Mundart von Triesen [m¡k¼]. Zudem ist dieses Wort nicht typisch; es heisst dafür meist Brocken (vgl. Jutz 2, 436). Ebenso abzulehnen sind Mungg m. 'Murmeltier' (fehlt bei Jutz!) und Mogga f. 'Mücke'.

Deutung
Aus einem in Graubünden hauptsächlich als Naus und Nos mehrfach bezeugten Namentyp, namentlich über die frühe Bezeugung 1084 in Lüen als Nauues, Naues, Nauges, lässt sich anscheinend ein alträtoromanisches toponymisches Appellativ *nava 'Mulde, Taleinschnitt' erschliessen. Die Alp Naus Grabs, ein enges, steiles Alptal, passt begrifflich hieher, ebenso unser Naaf (als steil ansteigender Talkessel); ob die Belegform ~1520 naws zu diesem Namen gehört oder nicht, lässt sich der Quelle nicht sicher entnehmen, ist indessen nicht Voraussetzung für die Zuordnung. Aus *nava wurde nach der Germanisierung regelrecht /n̓¡f/, gleich wie aus rtr. grava f. 'Geröll' ein Grof (Buchs) entstand (vgl. Vincenz 1983, 63).

nava