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Naaf  (Schaan)
1850 - 2100 m; 764,5 - 215,3 11-W

n̂¡f (s ~ / —s ~ / —m ~ / ¥s¼m ~)
Talkessel auf der Alp Gritsch; grosse Mulde, reicht über die Grenze zur Alp Valüna (Triesen). Örtlich identisch mit Naaftal.

Historische Belege
~1520 n̜aws (LUB I/4; S. 322): "schuldig ... z jagen ain tag jn ~"
~1618* Neürs (LUB I/4; S. 345): "schúldig zween Tag, den ainen in ~"

Wertung der historischen Belege
Der erste Beleg spricht für eine ältere Form /ǹa®s/ oder allenfalls /ǹa®vs/, das durch Monophthongierung zu /n̠¡vs/ und über den Abwurf des (ursprünglich flexivischen) -s zur heutigen Form gelangte

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 31: Naaf [im n̠¡f, is n̠¡f]. NAVIS 'Schiff, Mulde' passt lautlich und begrifflich einwandfrei. NOVUS ist nicht möglich, da es nu¼f ( ni¼f?) ergeben hätte.
Ospelt 1911, 131: Naaf [im n̠¡f].
Nipp 1924, 101: Naaf. Zu NAVIS 'Mulde'.
Nipp 1924, 105: Naaf.
Stricker 1981b, 277: Naaf. Wie evtl. auch †Nof Wartau, gehört dieser Name offenkundlich zu vorröm. *NAVA 'Gefäss, Mulde'.

Besprechung der Nennung
Ospelt führt noch die mundartechte Aussprache mit -̠“- (Dehnung in offener Silbe) an (vgl. demgegenüber die heutige Kürze im /--/ unten bei Mederschlatt.

Deutung
Aus einem in Graubünden hauptsächlich als Naus und Nos mehrfach bezeugten Namentyp lässt sich, namentlich über die frühe Bezeugung 1084 in Lüen als Nauues, Naues, Nauges, anscheinend ein artr. toponymisches Appellativ *nava f. 'Mulde, Taleinschnitt' erschliessen. Die Alp Naus Grabs, ein enges, steiles Alptal, passt begrifflich hierher, ebenso unser Naaf (als steil ansteigender Talkessel); ob die Belegform ~1520 naws zu unserem Namen gehört oder nicht, lässt sich der Quelle nicht sicher entnehmen; dies ist indessen nicht Voraussetzung für die Zuordnung. Aus *nava wurde nach der Germanisierung regelrecht /n̠¡f/, gleich wie aus rtr. grava f. 'Geröll' ein Grof (Buchs) entstand (vgl. Vincenz 1983, 63).

nava