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Lowal  (Balzers)
500 m; 757,3 - 215,4 4-W

ĺœw̓al (~ / šs ~ / šm ~ / ¥s¼m ~)
Wiesen, Häuser und Strasse westlich der Balzner Allmein, nördlich von Obem Dorf; früher Teil der Balzner Allmein.

Historische Belege
1474 Flual (PAW U 1; Z 11): "Item sechss mammad wisen in ~, [stosst] an die landstrass, vnden an den pach, an zwayen seyten an der Burg Gtt z Gttemburg."
1482 Labelss (SchäZ 13; fol. 17a): "... gueth Auff ~, Stost Abwerth dem Landt Nach Ahn die Allgmaindt an grossen Hag gegen Berg"
1482 Lafels (SchäZ 13; fol. 17b): "... gueth Auff ~, Stost Aufwert dem landt nach an St: Niclass gueth ..."
~1510 Lawal (LUB I/4; S. 252): "wis vff, ~, gelegen, Stost vfwert dem landnach, och gegen dem berg wert vnd jnwerrt gegen dem dorff balczers, an die gemainen wisen, gegen dem rýn werrt an das Hofgt z gtenberg, vnd abwert dem landnach an ... gt."
1604 Lawalss (U 61; fol. 3b): "... guet, auff ~ gelegen, stost ietziger Zeit Abwert dem Landt nach an Die Allgmain an grossen Hag, gegen Dem Berg an Hannss Nuten Erben, Auffwert dem Landt nach an des hailigen guet vndt gegen Dem Rein an die Landtstrass ..."
1616 Labels (SchäUrb 117; fol. 32a): "Anna Feldin Zu Balzers. Zinset Ab Irem Stuckhe guet auf ~, Stosst abwerth dem Land nach An Die Allmain an grossen Haag, gegen Dem Berg an das Hoff guet Aufwerth ans hailligen gueth gegen dem Rein an die Landtstrass ..."
1616 Lawal (SchäUrb 117; fol. 32b): "Michael, Hannss, Donat, Wolff vnd Vlrich Die Gasner gebrüeder, Zinsen ab Irem Stuckh gueth auf ~, Stosst aufwerth dem Land nach an St. Nicolass gueth, gegen dem Rein an die Landtstrass Abwerth dem Land nach an die Allgemain vnd gegen dem Rein an das Hoff gueth"
1661 Lawaldt (AS 2/1; fol. 2r, Z 12): "... ein Wiß aúf ~ ..."
1719 Lawaldt (AS 2/4; fol. 70v, Z 1): "Ein Mammat wieß aúff ~ ..."
1726 Lawald (AS 2/5; fol. 129r, Z 6): "1 1/2 Mannmad Wieß aúf ~"
1737 Lawald Pünth (AS 2/7; fol. 121r, Z 27): "... sein Theil in der ~ ..."
1755 Lawald (AS 2/8; fol. 48v, Z 21): "... 3 vierenthaill wis aúf ~ [stösst] aúfwert an die Allgemein ..."
1808 Lohwald (GAB 5'200-S10; Nr. 5): "auf ~"
1808 Lawal (GAB 5'200-S10; Nr. 92): "auf ~"

Wertung der historischen Belege
Die Beleglage ist uneinheitlich. Von der heutigen Aussprache und von der Häufigkeit der Nennungen ausgehend, ist wohl dem (allerdings nicht ältesten) Typ /lav̀al( s)/ der Vorrang einzuräumen. Die Formen Labelss und Lafels von 1482 (Labels nochmals 1616) wirken aufgrund des stark abweichenden Tonvokals eher unglaubwürdig; ein Umschwenken von einem älteren */lab̀els/ (*/laf̀els/?) zum Typ /lav̀al( s)/ wäre sprachlich nicht eigentlich erklärlich. Die jüngeren Formen des Typs /lav̀ald/ zeigen vielleicht Einfluss von dt. Wald, dessen Aussprache früher auch im Oberland offenbar /w̠al/ lautete (siehe beim Namen Wäldle, gesprochen [w̓‰l“]; Frick 1969, 251 zitiert für Balzers älteres /ẁ‰le/ 'Wäldchen'). Die Zuverlässigkeit der Form 1474 Flual wird von Nipp in Frage gestellt, da die vorhandenen Dokumente "nur mehr oder minder schlechte Copien der ersten wertvollen" darstellten. Diese Einschränkung, falls sie zutrifft, lässt alle von hier ausgehenden Überlegungen recht unsicher erscheinen. Wären die Formen zuverlässig, so könnten sie allerdings leicht in Zusammenhang mit der Variante /lav̀al/ gestellt werden: Dabei könnte /flùal/ bzw. älteres */fl½®̀al/ primär sein und /lav̀al/ durch Deglutination des anlautenden f- (wegen der deutschen Präposition uf: */uf fl½®̀al/ > */uf l½®̀al/) entstanden sein. Aber auch das Umgekehrte ist möglich: primäres /l½®̀al/ hätte durch Teilagglutination der Präposition uf zu einer Variante */fl½®̀al/ > /flùal/ führen können. Jedoch ist ein klarer Entscheid nicht möglich, und damit fehlen auch die Voraussetzungen für eine sichere Deutung. Ein Ausgangspunkt */flùal/ bleibt daher möglich, aber unsicher.

Bisherige Deutungen
Büchel 1906, 63: Lawal. 'Von Rüfe gebildetes Land'.
Nipp 1911, 94f.: Lawal( d) [uf lœw̓al]. Die urk. Formen verbieten dt. lo( ch) 'Wald'. Nach Belegen ist sicher von einem Erbwort auszugehen; v ist sicher hiatustilgend. Vorschlag: FLUALE; die heutige Aussprache mit ̠a und -d, ferner mit l- statt fl- kann Anlehnung an dt. Wald [w̓ald] sein und andererseits durch falsche Trennung sich ergeben haben.
Ospelt 1911, 68: Lawald, auf - [uf lœw̓al].
Frick 1969, 250f.: Lawal. Nicht FLUALE, wie Nipp 1911 vorschlägt, sondern zu dt. lo( ch) 'Wald'. Es handelt sich um eine pleonastische Bildung, nachdem lo 'Wald' unbekannt geworden war. Das anlautende f- entstand durch Verschmelzung mit auf. Dass wal zu Wald zu stellen sein wird, erhellt aus dem alten Balzner Diminutiv Wele 'Wäldchen'. Der Ausfall des -w- ist dadurch zu erklären, dass w früher oft durch u dargestellt wurde und zwei u nebeneinander zu stehen gekommen wären, von denen der Schreiber eines fallen liess. Die urkundliche Form Labels gehört zu einer anderen Flur.
Frick 1969, 251: †Labels. Etymon unklar.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps Annahme, das -v- müsse hier hiatustilgend, die Form /(f) lual/ demnach älter sein, scheint nach dem oben Gesagten durchaus nicht zwingend. Seinen Ansatz *FLUALE vermag er nicht weiter zu präzisieren: dieser kann so als Verlegenheitskonstrukt ad acta gelegt werden. Seine Vermutung aber, dass sich dt. Wald m. in der zweiten Silbe eingemischt hätte, darf wohl übernommen werden. Angesichts der Unsicherheit des Flual-Belegs wäre dann freilich mit Frick 1969, 250 direkt an dt. Lo-Wald zu denken.

Deutung
a) Vermutlich dt. Lo-Wald, also Verbindung von Wald m. mit älterem L̠o m./n. 'Wald', dessen Sinn nicht mehr verstanden worden war, weshalb es zur Ergänzung durch Wald kam.
b) Eine Ausgangsform /lav̀al/ liesse sich zu rtr. aual m. '(grösserer) Bach' stellen. Probleme bereitet allerdings die dann gegebene Notwendigkeit, von der Agglutination des bestimmten Artikels (l'aual) auszugehen: solche Fälle sind wohl in der heutigen Raetoromania anzutreffen (so etwa 1771 Laguaigl Zernez, 1461 Lauall Andiast; vgl. RN 2, 20a); für das lang germanisierte Unterrätien dagegen sind sie unwahrscheinlich.

Lo
Wald
aual