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Finne  (Balzers)
475 m; 755,90 - 214,40 2-X

f̀Œ̠n“ (p- / šp- / šd¼r ~ / fœd¼r ~)
Wiesen, Häuser und Strasse zwischen Böngerta und Gärta1, westlich an der Rheinstrasse.

Historische Belege
1278* Rüvina (LUB I/1; S. 122): "... ex prato dicto Sellas Campo de supra ~ et solaminibus sitis iuxta capellam in Palazol ..."
1565 vinigien (SchäU 70; Z 8ff.): "... ain Juchart ackher Zu mails gelegen, genannt ~, Stost gegen perg an ain haimbgassen, aufwert dem Lannd nach, an vlrich Friesen guet, auswert gegen Rein, an Liennhart Kaufmanns hausfrowen guet, vnnd an Jungen Deis Ruedis guet, vnnd abwert dem Lannd nach, an Donat vauilen erben. vnnd an das hofguet ..."
1722 Fünne (AS 2/5; fol. 57r, Z 6): "Ein halb jaúchart in der ~ ..."
1722 Finna (AS 2/5; fol. 57v, Z 3): "... vom halben Jaúgert Ackher in der ~ ..."
1755 Finnen (AS 2/8; fol. 46v, Z 15): "... dreý vierenthaill acker in der ~ [stösst] ... zu 4ten seithen an die Landstras ..."
1769 Vina (AS 2/16; fol. I 13v, 4. Sp. Z 4): "3/4 Theil Mamath der ~"
1769 Vina (AS 2/9; fol. 63v, Z 33): "3/4 mammath in der ~, stoßt gegen der Staig an St. Florini lehengúth, gegen Maria Hilff eben dahin, Rhein werts an Heimweeg ..."
1808 Fini (GAB 5'200-S10; Nr. 24): "in der ~"
1808 Fine (GAB 5'200-S10; Nr. 107): "in der ~"
1808 Fina (GAB 5'200-S10; Nr. 94): "in der ~"

Wertung der historischen Belege
Dass der Beleg von 1278 *Rüvina zu Finne gehört, ist nicht gesichert, doch recht wahrscheinlich; der urkundliche Kontext weist eher hierher als etwa nach Fina oder Röfi südlich bei Triesen. Der Beleg 1565 vinigien weicht ab; er ist wohl als */vn›½/ (oder *vin½?) zu lesen.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 22f.: Finne, Fina [i dr f̠n“]. Wohl zu VINEA, trotz lautlicher und begrifflicher Schwierigkeiten. Der Beleg von 1565 ist antikisierend oder eine ungenaue Wiedergabe eines /¾/ mit Akzent auf der ersten Silbe. Ehemalige Weingärten sind nicht ausgeschlossen.
Ospelt 1911, 37: Finna [i d¼r fi̠na].
Ospelt 1920, 75: [Rufina].
Stricker 1981b, 376: †Rufina. Vorröm. *ROVA 'Erdschlipf' + -INA, vgl. Refilis in Wartau.
Stricker 1981c, 40: Fina. 'Rüfe', Rumpfname.

Volkstümliches
Vielleicht hat der Name etwas mit der finnischen Krankheit zu tun. Man hat hier möglicherweise Tiere verlocht, die an dieser gestorben sind.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp ist auf der richtigen Spur.

Deutung
a) Vielleicht zu rtr. vigna (E), vegna (S) f. 'Weinberg'.
b) Oder aus artr. rovina f. 'Rüfe, Geröllhalde', das durch den häufig vorkommenden Verlust der Anlautsilbe nach der Verdeutschung zu *Vina bzw. *Fina gekürzt worden wäre.
Sprachlich ist keine Entscheidung möglich. Einerseits ist die Entstehung von «Rumpfnamen» (mit Verlust der romanischen Anlautsilbe) sehr häufig (vgl. Stricker 1981c, 39f.); anderseits kann vigna trotz zu erwartender Velarisierung des palatalen Nasals nach der Verdeutschung (also // > /¾/: die Reflexe von vigna ergeben bei uns meist Finga) auch nicht ausgeschlossen werden (siehe den Beleg von 1565). Sachlich erscheint die Entscheidung nicht leichter: die Annahme von Weinbau in der Rheinebene südwestlich bei Mäls hat wohl nicht viel Wahrscheinlichkeit; anderseits kann hier ein Typ *Rovina nur angesetzt werden, wenn statt der Bedeutung 'Hangrüfe' ein Bezug auf eine 'Geschiebefläche in der Talebene' annehmbar ist (wofür keine Beispiele vorliegen).

vigna
rovina