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Spiers  (Ruggell)
430 m; 758,780 - 237,000 5-A/B

̜sp̊¬¼ls (t- / ts¬r ~ / b—r ~ / fœr ~)
Entwässerungsgraben nordöstlich des Dorfes, im Riet. Örtlich identisch mit Spiersbach.

Historische Belege
1. H. 15. Jh. Sṕurs (LUB I/2; S. 347): "... visen ligent vff der ~, stossent an die ~, ze der andren sitten an des Gaisers wisen"
1405 Spŕuss (LUB I/1; S. 453): "... hoewachs ... An der ~ ..."
1408 Sṕurs (LUB I/3; S. 225): "vnnen an die ~"
1488 Sṕurs (PfABe U 10; Z 15): "... dem Hasenbach nach hinab in die ~ und der ~ nach untz an Wyenaw ..."
1515 Sp̀urs (U 1515/9/6; Z 22): "... vom Padbrúnnen (zú Nofels) hinúber in daz rýed in Hasenpach, vom Hasenpach hinab in den pach genant ~ vnnd vom selben pach in Rein ..."
1594 Sp̀urs (RA 1/12/1; fol. 1r, Z 22): "... von dem Hasen Pach in den Pach genandt die ~ vnd dann der ~ nach biß in den Rein ..."
1613* Spirß (GAE II/150; fol. 1r, Z 19-20): "... vom Hasenbach hinab genannt ~, und vom selben Bach am Rhein ..."
1667 Spürsen (PfABe 28/31; fol. 1v, Z 21): "... wissen aff Banx zwischen den ~ gelegen ..."
1684 Sp̀yerß (PfABe Urb 1684; S. 184, Z 10): "... Riedmadt vff Ruggeller Riedt gelegen beý dem Spältenen Graben genant, stost berghalb an daß allgemein Riedt ... vnd vffwerths an Graben vnd ~"
1690 Spührs (PfABe 29/3; fol. 6r, Z 8): "... Riedtmadt vff Banx ... Inwendig an die ~ ..."
1698* spirs (LUB I/4; S. 463): "vom hassenbach hinab genant ~, vnd vom selben bach in rhein"
1743 Spürs (AS 2/23; fol. I 3r, 4. Sp. Z 10): "... Wieß die Britszúrt ... Bergwärts an die ~."
1782 Sperris (RA 11/2/8/57; fol. 3r, Z 15): "... Riedmad zú Rúggell, aneinander, Fischeren genant ... gegen Rhein an Wasser Graben únd ~ genant."
1795 Spürrs (GASb 5-157/3; fol. 3v, Z 4): "... Rúggell ... schúldig ... seýn solle aúf ihrem ... Weitried die Wasseraúszüge darüber hinab ... von dem Scheidgraben bies in den Hauptscheidgraben in die ~ zú machen und das Wasser abzúführen ..."
1802 Spürschgraben (AS 2/23; fol. II 44r, 4. Sp. Z 5): "1 Bangswiese die Tamwiese ... Bergwärts [an den] ~."

Wertung der historischen Belege
Die Mehrzahl der älteren Belege tritt als /̜spürs/ in Erscheinung. Das jünger folgende Spirs kann im Vokal entrundet, also sekundär sein; jedoch ist auch das Umgekehrte denkbar, dass nämlich altes Spirs latent zur Rundung neigte. Die Diphthongierung von /i/ zu // und von /ü/ zu /ü¼/ ist vor r + Konsonant normal. Die heutige Schreibung zeigt Entrundung, die moderne Aussprache wiederum hat /̊u¼/. Der Liquidwechsel zu /-ls/ (so bei der heutigen Aussprache) tritt in den älteren Formen nirgends auf und wird daher jung sein; insbesondere die Form von 1802, Spürschgraben, macht mit ihrem /̜s/ (sofern echt) erhaltenes /r/ geradezu notwendig, denn ein bedingter Übergang /s/ > /̜s/ ist nur im Nexus mit /r/, nicht nach /l/ möglich. Als älteste Form sind daher /̜spürs/ oder /̜spirs/ möglich.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 73: Spüls, Spürs. Dahingestellt. Immerhin: cf. Spölbach Engadin, nach Ettmayer auch unerklärt.
Ospelt 1911, 102: Spiersbruck, -graben, -Wiese [i d¼r ̜spü¼rs].
Frick 1990b, 34: Spiersbach. Nach Josef Zehrer < lat. SPURCUS 'schmutzig'.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Das von Zehrer in die Diskussion gebrachte lat. SP¬RCUS 'schmutzig' (REW 8194) fehlt im heUTIGEN Rätoromanischen; es ist jedoch gemäss den Materialien des Dicziunari Rumantsch Grischun in Chur bezeugt für das Altengadinische als spuorch; auch für das Altsutselvische findet sich ein Beleg bei Adam Nauli (1618) mit spurghias (Fem. pl.) (freundliche Auskunft von Dr. Felix Giger). Damit ist der Worttyp für den altromanischen Raum grundsätzlich annehmbar, und zwar wohl ebenfalls als /̜spuor̛c/; dies hätte mit der Verdeutschung zu einem Ergebnis */̜spurk( s)/ führen können. Für eine Verbindung mit unserem Spiers sind indessen die lautlichen VoRAUSSETZUNGEN nicht eigentlich gegeben, insbESONDERE beim Tonvokal, jedoch auch hiNSICHTLICH des auslautenden Nexus */-rks/, dessen -k- schwerlich spurlos geschwunden wäre.

Deutung
Spiers- bzw. Spirs- kommt als Name und Namenteil auf der Talriedfläche nördlich bis östlich von Ruggell mehrfach vor, verteilt über die Gemeindegebiete von Feldkirch (Bangs), Ruggell und Schellenberg. Das vermeintlich weit gestreute, vereinzelt anmutende Auftreten der verschiedenen Spiers-Namen bezieht sich durchwegs auf denselben alten Bach; dieser ist freilich infolge der umfangreichen Meliorationsarbeiten mit der Neuanlage von Entwässerungsgräben nicht mehr in seinem ursprünglichen Lauf erkennbar. Als Oksarietlegraba bzw. Spiersbach scheint er zu beginnen im Schellenberger Riet (Planquadrat D-6) in der Nähe der Orte, die als Stiersloch und Stierslochgraba (!) auf der Karte erscheinen; in letzteren lassen sich (siehe unten) mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls späte Verballhornungen von ursprünglichem *Spiers- vermuten (falls sie nicht zu dem urkundlich bezeugten Familiennamen Stier zu stellen sind). Wo sich der Oksarietlegraba gegen Norden wendet (im Raum des Koordinatenkreuzes 759-239), finden sich etwas weiter westlich die Spierswesa und nördlich die Spiers( riet) teile (beide Ruggell). Der sich nach Norden fortsetzende Graben verlässt bei den Bangserwesa als Spiers( bach) das Land und setzt sich als Spirsbach auf Gemeindegebiet von Feldkirch fort, wo er westlich an Bangs und bald darauf östlich an der Spirsau vorbei fliesst (vgl. VNB I/5, 114: Spirsbach Feldkirch, ebenso Spirsau Feldkirch, [̜spürs-], urkundlich 1408 SpÒurs, 1476 die SpÒurs, 1515 Speüerserpach, 1537 die Spurß, 1690 Spürsbach). Die ursprünglichen Verhältnisse hinsichtlich des Vokals sind nicht sicher zu ersehen (siehe auch oben Wertung der historischen Belege); auf jeden Fall spielt in der einen oder anderen Richtung die in der Mundart des Unterlandes bekannte Wirkung von /r + Konsonant/ auf vorausgehendes /i/ herein (vgl. dazu Gabriel 1981b, 200f.: Diphthongierung > // und teils Rundung > /ü¼/; vgl. /̜st—¼rn¼/ 'Stirne', /v̮¬¼rm¼/ 'firmen'). Die Wirksamkeit dieser Lautentwicklung lässt offen, ob in unserem Fall ein ursprüngliches /̜spirs/ anzusetzen ist oder aber eine (bereits vordeutsch) diphthongierte Form /̜spi¼rs/; nur die gerundete Form /̜spürs/ sowie die Ruggeller Sprechform /̜sp̊¬¼ls/ wird man als sekundär einstufen dürfen (wobei selbst die ü-Form theoretisch - im Wirkungskreis der genannten Gesetzmässigkeiten - den anderen vorausgegangen sein könnte). Die Herkunft des Namens ist unklar. Folgende Überlegungen lassen sich anstellen:
a) Könnte für dieses Spiers eine romanische Deutung, ausgehend von rtr. tschep m. 'Stock, Baumstumpf', in Frage kommen? Das auslautende -s liesse sich als «Ortsnamen-s» (altes Nominativ-s) abtrennen, und für *Spier wäre dann, analog zu gesicherten Fällen mit diesem Stamm, eine Ableitung auf -ARIU ansetzbar, die durch Synkopierung aus */t̜sep¼r/ > */t'̜sp¼r/ und daraus (durch Lautvereinfachung) > /̜sp¼r/ geworden wäre, gleich wie etwa Speer (Berg im Gasterland SG; vgl. Schmid 1980, 138: wohl von der Speeralp, romanisch */alp t̜sep̀era/ < CIPPARIA, über */t̜s'p̀er[a]/), oder beim NamenelEMENT /-̜sp̀us/ in Ifelspus Grabs (< */-t̜s'p̀us/ < */-t̜sep̀us/; vgl. Stricker 1974, 131). Die konkrete Wahrscheinlichkeit einer solchen rein formal entwickelten Herleitung ist allerdings eng begrenzt, zumal sOLANGE auch die Möglichkeit einer voRRÖMISCHEN Verbindung besteht.
b) Ob bei Spials das artr. *spiel m. 'Anhöhe, Warte' (vgl. RN 2, 319 s. v. SP̄EC¬LUM bzw. SP̄EC¬LA) anzusetzen ist, wie dies RN 2, 319 für Spiel (urk. 1257 Speils, 1259 Spails, 1419 Spiel) Says tut, muss hier offen bleiben; für unseren auf ein Riedgewässer bezogenen Namentyp Spiers wäre der Ansatz offenkundig nicht naheliegend.
c) Oder er könnte vorrömisch sein. Ob ein Zusammenhang besteht zum ungedeuteten Engadiner Bachnamen Spöl (Zernez; vgl. RN 2, 848), lässt sich nicht entscheiden; auch hinsichtlich einer allfälligen Beziehung zu den vorarlbergischen Namen des Typs Spials kann nichts Sicheres gesagt werden; denkbar wäre ein Zusammenhang angesichts einer gewissen Instabilität der Liquidlaute r/l (immerhin erscheinen die beiden Gruppen hier - mit Ausnahme der jungen Ruggeller Aussprache /̜sp̊¬¼ls/, urkundlich freilich auch stets /Spürs/ - lautlich sauber getrennt). Es handelt sich beim Vorarlberger Typ um Spials Nüziders, Spials Bludenz, Verspials Bludenz, Spials Innerbraz; ähnliches Spils Fliess wird bei Schmid 1974, 49f. ebenfalls als vorrömisch vermutet.

tschep
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Schellenberg...
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Schlattacker...
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