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Neuwesaräppa  (Ruggell)
5-C

*n̋¡̮®w̓“s½ŕŠp½ (id½ ~)
Unbekannt. Nach Ospelt 1911, 74 im Gebiet Bangs; vermutlich in den Neuwesa.

Bisherige Nennung
Ospelt 1920, 74: Neuwiesenräpen [i da n̮¡üw̠“sarŠpa].

Deutung
Der Fall erinnert sogleich an den Namen Räppena, der in der Nähe des Grenzbaches Simmi auf Grabser und Gamser Gebiet zweifach (unten im Tal und oben im Simmitobel) vorkommt. Hilty 1980, 30ff. (bes. 31f., 37f., 40) legt dar, dass die Bezeichnung Simmi entgegen früheren Erklärungen nicht sehr alt, jedenfalls deutsch ist, und dass in römischer Zeit der von Wildhaus herunterkommende Bach bis zu seinem Eintritt in die sumpfige Ebene lateinisch RAPIDA 'die Reissende, die Schnelle' hiess (die Verwendung von RAPIDA zur Bezeichnung von reissenden FlüSSEN oder Stromschnellen lässt sich auch für die römische Schweiz gut belegen). Auch im Dorfnamen Grabs ist der Worttyp enTHALTEN (< CAPUT RAPIDAE 'am Beginn/Ende des reiSSENDEN Baches'; vgl. Hilty 1976; KurzfaSSUNG in Hilty 1991, 52). Auf dem früHROMANISCHEN Lautstand */r̀ab›a/ wurde das Wort von den Alemannen übeRNOMMEN und dabei lautlich normal umgeprägt zu *räppe (mit Primärumlaut und westgerm. Konsonantendehnung vor ). Dieses altalemannische Räppe f. wurde als Name von (reissenden) Bächen verwendet. Ob auch es wie sein romanischer Vorgänger *rabia noch im Deutschen als Sachwort für '(reissender) Bach' gebraucht und verstanden wurde, ist unsicher und muss offen bleiben. Möglich wäre es und einleuchten würde es angesichts der Struktur des hier vorliegenden Namens †Neuwesaräppa, in dem das Reliktwort Räppe f. als Grundwort und im Plural erscheint. Beides, die Verwendung von Räppe als Grundwort in einem Namenkompositum wie auch dessen Pluralsetzung, könnte als Hinweis auf appellativen Charakter des Wortes genommen werden. Jedoch sind genug Fälle bekannt, die zeigen, dass auch ein vordeutscher Name sich hinsichtlich Flexion und Komposition wie ein deutsches Appellativ verhalten kann: so gibt es Pluralbildungen zu romanischen Namen (die sicher nicht «verstanden» wurden), wie bei Periol Triesen, dessen ältere Sprechform Epariol auch eine Mehrzahl i dan Epariöler kannte, oder wie bei Iradug Balzers, zu dem älter auch ein Plural i dan Iraduga überliefert ist (vgl. Stricker 1981c, 44) - wobei hier mit dem Namenplural in Wirklichkeit ein Sachplural, anscheinend eine territoriale Aufteilung in mehrere Nutzungseinheiten, zum Ausdruck gebracht wurde. Und ebenso gibt es vordeutsche Namen, die Kompositionen mit deutschen Bestimmungswörtern eingegangen sind - etwa Alpakulm Triesenberg, †Lang Resch Schaan, †Langer Kristis Schaan -, und auch hier betrifft die durch die Beifügung bewirkte nähere Bestimmung nicht die (dem alem. Sprecher ja unbekannte) Namenwortsemantik, sondern den mit dem Namen bezeichneten Realbefund. Dies könnte leicht auch bei unserem Neuwesaräppa der Fall sein; damit würde mit i da Neuwesaräppa offenbar ausgedrückt, dass es in der fraglichen Umgebung (in der Nähe des Rheins) noch andere (Teil-)Gebiete des Namens Räppa gab und dass dieses hier eben auf die Neuwesa Bezug nahm. Zusammenfassend: Ob als gebräuchliches Reliktwort Räppe f. oder als nicht verstandener Geländename *Räppa (bzw. pluralisches * Räppa[na]) - die Bezeichnung wird sich, in diesem Raum naheliegend, auf einen schnell fliessenden Arm des damals noch frei mäandrierenden Rheins bzw. eine oder mehrere Stromschnellen darin bezogen haben.

neu
Wiese
rabia