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Falgedin  (Ruggell)
5-E

Unbekannt. Nach Ospelt 1911, 35 südöstlich des Dorfes. Nach Büchel 1923, 122 örtlich identisch mit Hocha Rain.

Historische Belege
1294 Valgendige (LUB I/5; S. 436): "... et in ~ redditus sex quartalium mixti frumenti mensure in veltkilch ..."
~1514 Falged̮yn (U 45; fol. 12r, Z 6): "Z Ḃul, jn ~ und Gamprÿn gibt jelich hus 1/2 fiertel."
1. H. 15. Jh. Falgodin (LUB I/2; S. 342): "von aim aker haist Bchenstains aker in ~, stosset ainhalb an die straus ..."
1584 Valgadin (U 56; fol. 26b): "... in ~"
2. H. 16. Jh. Falgadin (PfABe ZB 1574; fol. I 24r, Z 4): "... in ~ ..."
1603 Falgedin (GAR U 11; Z 21): "... in ~ ..."
1604 Valgentin (RA CXLV 1602-1605; fol. 33v, Z 15): "Andreß Kaiser aus ~ ..."
1644 Valgadin (RA CXLV 1639-1648; S. 104, Z 1): "... Hanß Khaýser in ~ ..."
1660 Falgadina (AS 1/1; fol. 142r, Z 16): "Hanß Kaiser aúß ~ ..."
1663 Falgadina (AS 2/2; fol. 9v, Z 16): "... in ~ ..."
1668 Falckhentin (PfABe c/1; fol. 1v, Z 13): "Waß nun anbedrifft die guetter ab Frösch in ~ ..."
1684 (1629) Falgadin (PfABe Urb 1684; S. 11, Z 4): "... Hansen Khaýsers seligen auß ~ ..."
1693 Felgeding (AS 2/1; fol. 120v, Z 12): "... gúeth in ~ gelegen ... gegen Rhein an die Leitern ..."
1698* Valgedin (LUB I/4; S. 512): "Der Hoff genant Öhris Veldt im ~, stost an die Landtstrass, an die Algemaini, Vnnd an St: Lúcis Gúett"
1698* Valgedin (LUB I/4; S. 541): "Zúe Büchel in ~ vnd Gamperen gibt ..."
1698* Valgedin (LUB I/4; S. 549): "Der Lang ackher im ~"
1719 Valgedin (AS 2/4; fol. 52r, Z 13): "... mageres gúth in ~ ..."

Wertung der historischen Belege
Die überwiegende Zahl der historischen Formen spricht für eine historische Lautung /v́alg½dn/; die älteste Erwähnung 1294 Valgendige zwingt aber noch zu weiteren Überlegungen: sie könnte bloss verschrieben sein, womit ihr keine weitere Beachtung zukäme; dann wäre /v́alg½dn/ die wahrscheinlichste Ausgangsform. Der Erstbeleg könnte aber auch für eine primäre Lautung /v́alg½ndg/ oder /v́alg½nd̛g/ (?) stehen. Eine entstellende Weiterentwicklung nach dem Sprachwechsel von /v́alg½nd( ̛g)/ zu /v́alg½dn/ (metathetische Umstellung) wäre denkbar. Ob die vereinzelt auftretende Dentalfortis (in 1604 Valgentin und 1668 Falckhentin) mehr ist als eine blosse Graphie, lässt sich von hier aus nicht erkennen (siehe auch unten).

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 35: Falgedin.
Nipp 1911, 59f.: Falgedin. VALLIS + ? + Suffix -̅INU.
Nipp 1924, 105: Falgedin.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps Vermutung kann stimmen.

Deutung
Der Name stellt in seinem jüngeren Belegstadium eine auffallende Parallele zu †Falgedin Sennwald (Frümsen) dar. Dieses (urk. bezeugt als 1603 Falgedin) wird von Vincenz 1992, 81f. zögernd zu artr. /aual ( d') curtin/ gestellt, was etwa als 'Gärtlibach' (oder besser: 'Bongertbach') zu übersetzen wäre. Für diese Deutung des Frümsner Namens spricht die Angabe des Autors, dass jener vermutlich im Gebiet Tina oberhalb des Dorfes Frümsen zu situieren sei. Wie ibid. 125f. bestätigt wird, gehört Tina als Kurzform zu älterem Gatina (1698 noch Gatynen), was ein sicherer Reflex von rtr. curtin m. 'Baumgarten, «Bünt»' ist. Damit läge die (vom Autor nicht ausgesprochene) Frage nahe, ob nicht das im Raum Tina zu vermutende †Falgedin auf dieselbe Örtlichkeit Tina (< Gatina) Bezug nehmen und selber ein sekundäres Kompositum mit diesem bzw. rtr. curtin sein könnte: eben wohl < aual ( d') curtin. Was sich freilich einer Herleitung aus rtr. curtin in den Weg stellt, jedenfalls nicht unkommentiert bleien sollte, ist der Umstand, dass der Beleg mit seinem /-gedin/ durchaus nicht dem lautlich zu erwartenden */f́alk½rtn/ entspricht (mit im Rätoromanischen erhaltenem Fortis-Dental t!). - Dieser lautliche Einwand gilt auch für unseren Namen. Immerhin muss auffallen, dass auch obige Belege mit zwei Ausnahmen (1604 und 1668) nur -ged- bzw. -gad- schreiben. Um an der Deutung mit rtr. curtin festhalten zu können, muss eine Begründung für eine Lenisierung */t/ > /d/ gefunden werden. Dies schiene noch am ehesten möglich über eine Dissimilation der Fortisokklusiva /*k-*t/ > /*k-d/ (und daraus, durch Lenisassimilation, > /g-d/) - allerdings sicher erst nach der Verdeutschung, und gerade hier setzt der frühe Beleg 1294 Valgendige ein Fragezeichen (wie überhaupt die ganze Operation nicht ganz zwangfrei erscheint). - Was den ersten Namenteil betrifft, so ist in unserem Fall allerdings eher an rtr. val f. 'Tal' zu denken als an rtr. aual m. 'Bach'. Sollte die Lokalisierung südlich des Dorfes in den Raum Boia /Hoha Rain zutreffen, dann befänden wir uns in unmittelbarer Nähe des (zu Ruggell gehörenden) kleinen Taleinschnittes, durch den die Lochgass vom Vorderen Schellenberg (Raum Loch- Hof) hinunterführt in die Ebene (Kela-Halameder). Es darf nun mindestens erwogen werden, ob diese Bezeichnung Loch (für das besagte Tälchen) die Übersetzung von rtr. val sein könnte, und ob vielleicht sogar die Namen Hof, Hofrütte, Hofwald und Höfle (alle am Vorderen Schellenberg, unweit des oberen Ausgangs des Tälchens) das alte rtr. curtin (mit verwandter Bedeutung: rtr. cuort 'Hof'!) fortsetzen könnten. (Es ist auch hier daran zu erinnern, dass solche Übersetzungsnamen insgesamt sehr häufig vorkommen; vgl. dazu Stricker 1981c, 45f.). Damit liesse sich †Falgedin wohl plausibel auf ein rtr. /val ( d') curtin/ 'Taleinschnitt beim kleinen Hof' zurückführen. - Entsprechend wäre der Erstbeleg damit für die Deutung nicht massgebend und die zu ihm oben gemachten Überlegungen könnten sich als unnötig erweisen, zumal auch für eine primäre Lautung /v́alg½ndg/ oder /v́alg½nd̛g/ (?) kein überzeugender Deutungsansatz ersichtlich scheint (/-g½nd̛g/ etwa als -̂ETU-Ableitung - jedoch wovon?).

val
curtin