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Schlatt  (Gamprin)
435 m; 757,50 - 233,35 4-E

̜slat (¹- / —¹- / —m ~ / ¥s¼m ~)
Wiesen in Gamprin, nördlich der Feschera, an der Gemeindegrenze zu Ruggell.

Historische Belege
1641 schladt (GAR U 3; Z 11) Die Gampriner sollen "Staden hawen, vnnd wehren biss In den ~ ..."
2. H. 17. Jh. Schlath (PfABe LB 1682; S. III 48, Z 6): "Jtem ab einem ackher Im ~ under seinem [Ferdinand Näscher von Gampprin] ha¯uß 5 Messlen Weýtzen ..."
1700* schlatt (LUB I/4; S. 557): "... ackher, stost aúfwerts gegen Bendern an die aw gassen, ... abwerts an ... haúss hoffstatt im Mühlbach ... ietzt ~ genant"
1721 Schlatt (AS 2/4; fol. 151r, Z 29): "Der ackher im ~ ..."
1722 Schlat (AS 2/5; fol. 20r, Z 20): "Ein ackher in ~ ..."
1728 Schlatt Mad (AS 2/3; fol. 86v, Z 31): "... stúkh strewi Mad aúf dem Bahnriedt ... das ~ genandt ..."
1776 Schlattfeld (AS 2/13; F 14r, Z 9): "Einen Acker im ~ der Mühlbösch Acker genannt ..."

Wertung der historischen Belege
Im Beleg 1641 heisst es "In den schladt", 1728 "das Schlatt" (Genuswechsel).

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 98: Schlatt, Schlattfeld, im - [im ̜slat].
Ospelt 1911b, 12, 18: Schlatt. Nach der Bodenform und Bodenbeschaffenheit; Schlatt ist die Bezeichung für sumpfige Bodenstellen.
Frick 1955, 81: Schlatt. Mhd. slate 'Schilfrohr, Sumpfgras; damit bewachsener Grund'. Heute ist Schlatt in Liechtenstein vor allem Appellativ für 'flache, langgezogene Bodenvertiefung'.

Wertung der bisherigen Nennung
Ospelt gibt eine elliptische Form Schaaner zu dem in den Belegen gesicherten alten Namen Schaaner Acker.

Deutung
Altes mda. Schlatt n./m. ist namentlich als Ortsname im oberdeutschen Sprachraum weit verbreitet. Die örtlichen Verhältnisse der Schlatt-Gebiete sind mit den aus der Wortgeschichte hervorgehenden Hauptbedeutungen 'Abhang, Bodensenkung' in Einklang; die betreffenden Orte sind meist (Ränder von) Hügelkuppen, Mulden, Terrassen, ab und zu auch feuchtes oder ausgesprochen sumpfiges Gebiet. So hatte sich etwa in Schaan der Begriff Schlatt für 'sumpfiger Teil einer Wiese; Moorloch' appellativisch erhalten (wenn nicht aus entsprechenden Namen sekundär etabliert). - Daneben ist im Alemannischen Schlatt n. auch als Pflanzenname belegt, so explizit für Buchs SG als 'kurze Streue in den Sümpfen', für Gams und Grabs als 'auf feuchten, fetten Wiesen wachsendes, als Viehfutter beliebtes Gras'; anderwärts auch für 'grossblättrige Pflanzen (Blacken)'. Am Grabserberg wird mit Schlatt (mask.!) das besonders beim Emd stellenweise mastig auftretende, halmlose Blattgras bezeichnet; dieses gelte nicht als besonders gutes Futter ausser, wenn es jung gedörrt wird. - Ob nun die beiden Namentypen zusammenhängen, ist ungeklärt. Angesichts der begrifflichen Berührungen ('Sumpfpflanze'-'feuchte Mulde') würde ein gemeinsamer Ursprung allerdings nicht erstaunen. - Der Namentyp ist bei uns sonst vor allem im Unterland verbreitet. Im Werdenberg tritt der Typ als Name nur in der nördlichsten Gemeinde Sennwald auf (vgl. Stricker 1995, 36); nach den oben aufgeführten appellativischen Belegen aus Buchs, Grabs und Gams indessen ist auch hier differenzierter zu urteilen. Im St. Galler Rheintal finden sich Schlatt-Namen in Oberriet, Altstätten, Widnau, Au.

Schlatt