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Garselli  (Planken)
900 - 2123,4 m; 762,0 - 226,0 8/9-L/M

g½rs̀‰̡l— (s ~ / —s ~ / —m ~ / fœm ~)
Nicht mehr bewirtschaftete Alp im Saminatal, nördlich des Garsälli (Triesenberg) und nordwestlich des Zegerbergs (Balzers). Das Alpgebiet ist sehr trocken, stark verrüfnet, felsig und verwachsen. Örtlich identisch mit Plankner Garselli.

Historische Belege
1516 Garselli (U 48; fol. 6b): "... Zwischen dem Blackner vnnd der Trissnerberger beider ~, vnnd dem Samÿnnen Bach ..."
1516 blanckner Garselli (GATb U 32; fol. 8a)
1579 Garselle (GAP U 3; Z 3): "... Allppen mit namen Gafadúren, Gattlonen vnnd ~ ..."
1603 Garselle (GAP U 5; fol. 4a, Z 4): "... hinder dem Sattel in dass ~ ..."
1603 Garselle (LUB I/4; S. 203): "Doch solle denen vf Planngkhen jre allte steg vnnd weg hinder dem Sattel in dass ~ jrer nottúrfft nach Ein vnd aússzúfahren durch dise zeúnung vnbenomen sonder vorbehalten sein ..."
~1618* Garsellen (LUB I/4; S. 345): "schúldig zween Tag ... den anderen in ~ ob der oberen Planckhen"
1635 Carsellen (RA 144-1635; fol. 14v, Z 2): "... und hat der Paúl Gertsch in ~ ain Gambs thierli geschossen ..."
1655 Garselli Alp (AS 1/1; fol. 77v, Z 18-20): "... Verhörtag gehalten ... Endtzwischen denen aúf Plangen gegen der alp genossen aúffen Trisnerberg wegen ~ etwelliche Markhstain so ... zwischen beede Garselli seind gesezt worden."
1680 garsalle (GAP U 9; Z 6): "Dass der Blanhner Marckhen Von Khüeberg dem höchsten Gradt nach so Zwischen beeden ~ Ligt ..."

Wertung der historischen Belege
In den Belegen scheint neben dem Neutrum-Diminutiv /Garselli/ auch die fem. Ausgangsform /Garsella/ vorzukommen (~1618*, 1635).

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 124: Garselle [im k¼rs̀‰̡li].
Nipp 1911, 69f.: Garsella, Garselle [im, is g¼rs̀‰̡l—]. Die Form mit -a ist anscheinend ursprünglich, wie das monophthongische zeigt, es erfolgte wohl Genuswechsel in Anlehnung an das dt. Suffix -le. Das Etymon ist zweifelhaft, kaum CASELLA, für CORTICELLA wäre Wandel von ̜c zu s anzunehmen.
Nipp 1924, 105: Garselle. Romanisch.
Nipp 1924, 106: Garsella. Enthält Suffix -ELLA (ebenso Bargella, Padrella).
Tiefenthaler 1968, 134f.: [Garsella]. Wohl zu *CLUSA + ELLA, zu lat. CLAUSUM, rtr. clüs, etwa 'kleine Talenge'. Sachlich bestechend.
Stricker 1974, 92: Garsella. Zu lat. *CLUSA 'Talenge, Talsperre', rtr. clüs (E), clis (S) 'eingezäunte Wiese' + -ELLA.
Frick 1976, 34: Garselli ( Garsella). 'Kleine Talenge' ist bestechend, da hier das Saminatal sehr eng und schluchtartig ist; beim Falleck ist eine eigentliche Klus.
Stricker 1981b, 170: Garsella. Im Stamm steckt lat. *CLUSA 'Talenge, -sperre'.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp verbindet den Namen zu unrecht mit dem Stamm CAV-, der in lat. CAVARE 'graben' (REW 1788) und in lat. CAVUS 'hohl' (REW 1796; RN 2, 88f.) vorliegt. Der weit verbreitete Namentyp ist längst erkannt als Reflex von lat. *CAPRITURA 'Rodung'.

Deutung
a) Wohl zu artr. *clusella f. bzw., formal nicht sicher zu trennen, zu artr. *clusiglia, beide wohl für 'kleine Einfriedung, «Büntli»' oder, je nach den topographischen Verhältnissen, 'kleine Talenge'. Dieselbe Bildung wird vorliegen in †Garsell Triesen, †Garsälla Triesenberg, Garsälli Triesenberg, Garsill Schaan. In der Umgebung finden sich weitere mögliche Reflexe des Typs: Gaselaboden Wartau, Gerschillis1,2 Wartau, Gerschelis Wartau, Gerschella Grabs, ferner in Vorarlberg: Garsella Frastanz, Garsälli Nenzing, Garsella Bartholomäberg, Garsella Bürs, Glasella Tschagguns (urk. 1534 Grusellen), Garsilla Vandans, Garsella Blons, Garsella Sonntag. - Der hier vorliegende Name ist in Herkunft und Bildung identisch mit Garsälli Triesenberg, nämlich walserisches Diminutiv zu primärem Garsälla f., gebildet analog etwa zu mda. Schälla f. 'Schelle' - Dim. Schälli n. Nur die walserische Vokalsenkung -elli > -älli ist bei diesem Namen in Planken nicht mehr zu finden: die Plankner Mundart ist ja «entwalsert» worden.
b) Neben clus( a) könnte rein lautlich auch rtr. crusch f. 'Kreuz' (artr. *cruschella f. 'Kreuzchen') angesetzt werden; für einen sachlichen Entscheid fehlen sichere Grundlagen.

clus(a)
crusch