Alle Gemeinden Balzers Triesen Triesenberg Vaduz Schaan Planken
Eschen Mauren Gamprin Schellenberg Ruggell  
Namensuche      Liste
Gafadura  (Planken)
1407 m; 761,4 - 228,0 8-J/K

ǵaf½d̓¥r½ (~ / ¥f ~ / ¥f ~ / fœ ~)
Alp östlich ob dem Dorf, nördlich der Drei Schwestern1. Von der Schweiz her Stifelalp genannt.

Historische Belege
~1510 gafaduren (LUB I/4; S. 315): "von ~ hond die blanckner brcht das vogel recht"
1579 Gafad̀uren (GAP U 3; Z 3): "... Allppen mit namen ~, Gattlonen vnnd Garselle ..."
1642 Gavad̀ura (RA 10/2/8/3/24; fol. 1v, Z 1): "Der Waldt vf Plankhen, vnder ~ [zwischen] den Bechen."

Wertung der historischen Belege
Die Belegformen entsprechen der heutigen Lautform; die Schreibung der Endung als -en für gesprochenes // ist dem Deutschen (in dessen Verhältnis zur alem. Mundart) entlehnt.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 123: Gafadura [uf ḱafad̀ura], in der benachbarten Schweiz wegen der Form [̜stiflalp].
Nipp 1911, 109: Gavadura [i ǵaf¼d̓¥r½, ǵafid̓¥ra]. Nach Götzinger 1891, 56 gehört Gafadura Quarten zu CAVATURA.
Nipp 1924, 103, 105: Gafadura. Romanisch.
Frick 1973, 17: Gafadura. Romanisch.
Stricker 1974, 60ff.: Gafe( r) dura. Zu *CAPRITURA 'Rodung', Deverbale von lat. *CAPRIRE, rtr. chavrir (E), (en) cavrir (S) 'aufrechte Bäume schälen, damit sie verdorren; roden', ursprünglich 'benagen (durch Ziegen)'.
Frick 1974, 38f.: Gafadura. Der Name ist häufig in Graubünden und Vorarlberg; er wird auf das Verb CAPRIRE 'aufrechte Baumstämme schälen' zurückgeführt; CAPRITURA > Gafadura 'Schwendi'.
Vincenz 1992, 33: Gafadura. Lat. *CAPRITURA 'Rodung'. Romanische Parallele zu den deutschen Schwendi-Namen.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp verbindet den Namen zu unrecht mit dem Stamm CAV-, der in lat. CAVARE 'graben' (REW 1788) und in lat. CAVUS 'hohl' (REW 1796; RN 2, 88f.) vorliegt. Der weit verbreitete Namentyp ist längst erkannt als Reflex von lat. *CAPRITURA 'Rodung'.

Deutung
Artr. cavradüra f. 'Rodung', Ableitung aus dem Verb rtr. cavrir (S), chavrir (E) '(Baumstämme) abrinden, benagen; roden (durch Absterbenlassen der abgerindeten Bäume)' (also nach der Art der Ziegen Bäume schälen). Die Rodungsart ist bezeichnend für eine frühe Zeit des schier endlosen Waldreichtums, wo zum erleichterten Abbrennen von Wald (zwecks Gewinnung von Weideland) dieser zuerst in der beschriebenen Weise zum allmählichen Austrocknen und Absterben gebracht wurde. Die tiefe Lage unserer Alp Gafadura unter der Waldgrenze passt auch sachlich problemlos zum Ansatz. - Der Typ ist als Rodungsname in ganz Churrätien häufig; er entspricht inhaltlich dem dt. Typ Schwendi bzw. Schwemmi (siehe dort). Aus Graubünden seien etwa genannt Caverdiras Disentis, Tgavadeira Mon, Cavadura vielfach im Prättigau, urk. 1696 Gaffadura Fläsch, urk. 16. Jh. Cavadura Maienfeld, Cavadura (auch Fidura) Malans. Die Bildung von Diminutiva auf -li zeigt sich etwa in Cavidürli, Cavadürli (mehrfach im Prättigau). In Werdenberg finden sich †Gafadura Wartau, †Gaferdur Grabs, Ifadura Gams, Gafedur Sax; hier wird nicht selten das ausl. -a im Zuge des Sprachwechsels abgeworfen. Im südlichen Vorarlberg tritt der Typ besonders häufig auf; er verweist auf intensive Rodungstätigkeit noch in romanischer Zeit: Gavadura Innerbraz, Gafadura Dalaas, Klösterle, Gafadura Vandans, Tschagguns, Bartholomäberg, St. Gallenkirch, Gafidura St. Gallenkirch, Gavadura Gaschurn, Gafadura Bürs, Gavidura Nenzing, Frastanz, Gafidura Bürserberg, Gafadurli St. Gerold, Gafidura Raggal, Blons, Gafidura Fraxern.

cavradüra