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Rötis  (Eschen)
480 m; 757,25 - 231,05 4-G

ȑœt—s (t- / ¬ft- / ¥f¼m ~ / ab¼m ~)
Wieshang und Strasse westlich des Dorfes Eschen, am Fuss des Eschnerbergs1, südlich unter der Widagass.

Historische Belege
1721 Rädtlißs (AS 2/4; fol. 159v, Z 10): "Ein äckherle aúff ~"
1724 Rödlis (AS 2/5; fol. 76v, Z 25): "... der úntere Acker auf ~ ..."
1724 Rödlis (AS 2/5; fol. 76r, Z 9): "... acker an ~ ..."
1724 Rüdliß (RA 48-1724; fol. 1r, Z 27): "... mer 1 akher an ~ ..."
1726 Rödlis acker (AS 2/5; fol. 150r, Z 17): "... der ~ ..."
1729 Rödlis (AS 2/3; fol. 119v, Z 3-4): "Item ainen Ackher am ~ gelegen beý dem Kreüzgartten."
1729 Rödlis Ackher (AS 2/3; fol. 117v, Z 12): "... vmb ein Capital per 90 Gulden, so aúf dem ~ stehet ..."
1735 Rödlis (AS 2/7; fol. 78r, Z 13): "... acker aúf ~ an der Marx Halden ..."
1745 Rötlis (AS 2/20; fol. I 26v, 4. Sp. Z 8-9): "... 1 Acker am ~"
1756 Röthlisacker (AS 2/22; fol. I 43v, 4. Sp. Z 14): "1 Acker an der Marxhalden, der ~"
1769 Retlisacker (AS 2/24; fol. I 3v, 4. Sp. Z 3): "1 Acker an der Marxhalden der ~ ... [stosst] Rheinwärts [an die] Gaß ..."
1777 Röthels (RA 44-5; fol. 1r, Z 9): "Ein Stúkh akher in ~ ..."
1777 Räthels (AS 2/13; F 58r, Z 7): "Ein Stúck acker aúf ~ ..."
1787 Rötlis (AS 2/22; fol. I 35v, 4. Sp. Z 3): "1 Acker an ~"
1790 Feldrätlis (AS 2/22; fol. II 25v, 4. Sp. Z 2): "1 Stuck Acker im ~"

Wertung der historischen Belege
Im Vergleich der heutigen mit den historischen Formen fällt auf, dass der Name im 18. Jh. konstant als /r̊otlis/ (vereinzeltes /-ä-/ und /-ü-/ sind wohl zu vernachlässigen), also mit inlautendem /-l-/, geschrieben wird. Zum zweiten fällt die Inkonstanz im Gebrauch der Ortspräposition («auf, an, am, in, im») ins Auge; diese wird noch ergänzt durch den heutigen, ebenfalls nicht einheitlichen Gebrauch: die oben gegebenen Präpositionen (t- / ¬ft- / ¥f¼m ~ / ab¼m ~) wirken auf den ersten Blick ganz inkonsistent (t ȑœt—s, jedoch: ab¼m ȑœt—s); hier ist freilich zu vermuten, dass im vermeintlich Femininum /t ȑœt—s/ in Wirklichkeit ein artikulatorisch verschliffenes /d¼r ȑœt—s/ steckt (also auch mask.). Daneben ist aber laut einer Gewährsperson auch sächliches /¬fs ~/ gebräuchlich.

Bisherige Nennung
Ospelt 1911, 92: Röthlis [ufm r̍œtlis].

Deutung
Unsicher. Man sieht sich erinnert an den Domleschger Dorfnamen Rodels, rtr. R̀oten, (mit urkundlichen Formen [Auswahl!] 12. Jh. Rautine, Rautens, 1302 Rautels, 1380 Ratels, 15. Jh. Ratols, Rautels, 1546 Rotels, Rodels, usw.). RN 2, 814 sieht in ihm einen sehr altertümlichen deutschen Namen, nämlich ahd. *raut̠‹( n) "mit der Bedeutung 'Rodung' und dem Suffix des dazu im Ablaut stehenden dt. Rüti." Die deutsche Form (Rodels) hat nach RN das /-n-/ des deutschen Suffixes zu /-l-/ gewandelt, wohl dissimilatorisch in einstigem Rautenen > *Rautelen (Notiz von R. v. Planta). - Der Deutungsansatz scheint für unser Rötis (bzw. älter Rötlis) nicht unmöglich. Bedeutungsmässig würde er wohl gut passen: die Lage am Eschnerberg1 westlich unter dem Weiler Rofaberg zählt sicher zu den alten Siedlungs- und Rodungsplätzen; und gegen frühe deutsche Einsprengsel in der im übrigen noch eben romanischen Landschaft zu (spät-)althochdeutscher Zeit lässt sich wenig einwenden (man vergleiche zum selben Punkt die Ausführungen von Camenisch 1962, 109f. für den Raum um Sargans). Lautlich wäre in unserem Fall freilich noch ein gewisser Abstand zu überbrücken: ausgehend von einem ahd. Abstraktum raut̠‹ f. 'Rodung', bzw. dazu dem Dat. Pl. *rautin̠on (gemäss Braune/ Mitzka 1959, § 228, Anm. 3), wäre ein Weg über */r̀autenen/ > */r̀otelen/ > */r̀otl¼n/ und (mit hybridem «Ortsnamen-s», wie beim Ortsnamen Klosters) > */r̀otl¼ns/ zur belegten Form /r̍œtlis/ einzuschlagen. Dass dabei manches hypothetisch bleibt, ist nicht zu vermeiden.

rütten