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Grafert  (Eschen)
4/5-G

*gr̓¡f¼t (—m ~)
Unbekannt. Nach Ospelt 1911, 48, auf dem Eschnerberg1, im Herawingert1.

Historische Belege
1. H. 15. Jh. Graufer (LUB I/2; S. 320): "hofstatt, stosset an Wigen hofstatt vnd an die straus, hinda an den ~"
1. H. 15. Jh. Graufer (LUB I/2; S. 350): "de agro stossett an Holbains gtt, obna an den ~, vnda an den Schegellin"
1500 Graufer (LUB I/2, 305): "... an den ~"
1555 graffert (Pfäf 22/1; fol. 1r, Z 22): "... 3. dz Weingärtli im ~..."
1570 Grafer (Pfäf 22/3; fol. 2r, Z 12): "... Weingarten Ligt im ~ im Eschner Kilchsper ..."
1579 Graffart (Pfäf 22/5; fol. 5r, Z 26)
1693 Kraffert (AS 2/1; fol. 131r, Z 31): "... Weingarten in der ~ genandt ..."
1698* Gräffer (LUB I/4; S. 473): "Ein weingart ob dem dorff Eschen, genant der ~ ... stost einerseits an den Weingarten, genant der kaczenschwancz Beý dissem garten ligt der ... Torggel"
1757 Grafert (AS 2/8; fol. 77r, Z 32): "... Stuck gút in ~ genannt [stösst] gegen Veldkirch an die Frohnen Bünt ... gegen Rhein an die herrschaftlichen Weingarten ..."
1768 Grapfert (AS 2/22; fol. I 13v, 4. Sp. Z 9): "1 Heúgút der ~ genannt ... Bergwärts [an das] Wiesle."
1768 Graffert (AS 2/9; fol. 54v, Z 25): "... gegen Rhein an Herrn Weingarth, abwerts an ~."

Wertung der historischen Belege
Die ältesten Formen stehen für eine Lautform /gr̓¡f¼r/; das auslautende /-t/ trat im Alemannischen als unetymologischer Sprosslaut nach /-r/ hinzu. Solche Epithesen sind im Deutschen nicht selten (vgl. ähnlich etwa mhd. ieman > dt. jemand). Es ist also von /gr̓¡f¼r/ auszugehen.

Bisherige Nennung
Ospelt 1911, 48: Grafert [im gr̠¡f¼t].

Deutung
a) Vielleicht zu artr. */gr½v̀‰r½/ 'Gebiet mit Geröll, steiniges Gebiet'; hier freilich nicht in der ursprünglichen romanischen Betonung, sondern durch Akzentrückzug (germanische Erstbetonung infolge früher Verdeutschung) als */gr̓afer( ½)/ > */gr̓¡fer( ½)/ > */gr̓¡fer( t)/. Hieher gehört etwa der Name Groferen /i där gr̓œfärä/ Tscherlach. (Ob beim Sprachwechsel schon vom Ortsnamen oder noch von einem Appellativ auszugehen ist, bleibt unsicher.)
b) Oder über artr. grava f. bzw. daraus als Lehnwort altalem. /gr̓¡f/ f. 'Geschiebe, Geröll', mit Kollektivableitung auf -er: *im Gr̀ofer 'Ort, wo viel Geröll liegt'. Schon Stricker 1974, 110 vermutet, dass der (ursprünglich rtr.) Typ in unserem Raum zumindest teilweise erst über das Deutsche zum Namen wurde. Eine Ableitung auf -er würde jedenfalls voraussetzen, dass das Wort Grof im Altalemannischen noch verstanden und appellativisch verwendet wurde.

grava