Alle Gemeinden Balzers Triesen Triesenberg Vaduz Schaan Planken
Eschen Mauren Gamprin Schellenberg Ruggell  
Namensuche      Liste
Valorsch  (Vaduz)
1000 - 1400 m 9/10-O

fal̓œr¹̜s (s ~ / —s ~ / —m ~ / ¥s¼m ~)
Alpengebiet am Schönberg (Schaan), mit den Alpen Vordervalorsch und Mittlervalorsch (Schaan) sowie Hindervalorsch.

Historische Belege
~1618* valors (LUB I/4; S. 342): "Die wäldt beim Bergwerckh in ~ biss an Melbon"
1633 Valors (RA 10/2/8/3/17; fol. 1v, Z 20): "Zúm achten den weg ... aúch in ~ aúßhawen vnd seüberen lasßen."
1635 Valors (RA 144-1635; fol. 14v, Z 4): "... Paúl [Getsch] in ~ ain Hirsch geschossen ..."
1649 Valorß (AS 1/1; fol. 8r, Z 28): "In strittiger alp sach ... wgen der gemaine alp ~ ..."
1649 Falroß (AS 1/1; fol. 8v, Z 4): "die gemaine alp ~ ..."
1652 Valors (AlpAV U 8; fol. 2a): "... biss in Gúschger Schönenberg, von dannen biss vffn Khüehobel, von dar abwerts gegen ~ ..."
1652 Falors (GAS 44/2; fol. 1r, Z 4): "... so der wald ~ genandt ..."
1684 Valors (GAS U 55; fol. 2a): "Dass der gleichen Jager Has schon beý gräfflichen Slzischen Zeiten im ~ Würckhlich gestanden ..."
1696 Valorsch (AlpAV A 4): "... der Alp ~ ..."
1774 Vallorsch (GAS U 150a/b; a): "... der Gnoss Gschg Zweý Hüten Zú baúen ein in ~ únd eine im stachler."
1774 falorsch (GAS U 150a/b; a): "... af die Plätz schaffen ach in ~ ..."
1776 Valorsch (GAS 44/152; fol. 1r, Z 17): "Theil brief Enzwischen Sant Lorentzen vnd Sant Pethers Gaßen zú Schan die oxen alb ~"
1776 Vallorsch (GAS U 151a; fol. 1a): "... ihrer Galt-Alp ~ ..."
1789 Vallosch (RA 8/2/4; fol. 5r, Z 21): "Die Thannwaldúngen ... im ~ ..."
1796 floscher (AlpAV U 21f): "Anthony fromelth aúss Lofadina in ~ Hirth ..."
1797 faloscher (AlpAV U 21g): "Bether Lannbtherth aúf der Gmolb ~ Herth ..."

Wertung der historischen Belege
Die Schreibungen lassen keine andere als die heutige Aussprache erkennen. Auch die heutige Sprechform von Triesenberg, [f¼l̀¡®̜s], kann sich in der r-losen Form 1789 Vallosch widerspiegeln. Die älteren Schreibungen mit auslautendem /-rs/ werden ursprünglich der Aussprache entsprochen haben; im Alemannischen wurde in- und auslautendes /-rs/ regelrecht zu /-r̜s/. Dieser Übergang geht aber seinem ersten Erscheinen in den Belegen (1696) wohl weit voraus. Es ist damit von Anfang der Belegreihe weg mit der heutigen Aussprache zu rechnen.

Bisherige Deutungen
Hopfner 1910, 181: Vallorsch. VALL(IS) URS(ORUM) 'Bärental' oder wahrscheinlicher zu VALLURA < VALLIS.
Ospelt 1911, 139: Valorsch [s fal̀œr̜s] (alem.), [ts fal̀¡u̜s] (wals.).
Nipp 1911, 57: Valorsch [f¼l̓œr( ¹) ̜s], m. und n., [f¼l̀aur̜s] und [f¼l̀au̜s], n. am Triesenberg; Plural [f¼l̏œr¹̜s¼r]. Wohl 'Bärental' (VAL + URSUS im Obliquus). Das urkundliche -s kann antikisierend sein, eher aber handelt es sich um relativ späten dt. Wandel von s > ̜s nach r.
Nipp 1924, 105, 106: Valorsch.
Hopfner 1928, 159: Vallorsch. Weiterbildung von VALLIS zu VALLURA, wie Gavadura u. a.
Ospelt 1959, 68f.: Valorsch.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Hopfners Annahme von rtr. uors im zweiten Namenteil (allerdings nicht der klassisch-lat. Genitiv Plural URSORUM) ist nicht von der Hand zu weisen. Ein *VALLURA (so auch Hopfner) ist allerdings erfunden. Die Diphthongierung des Haupttonvokals in der Walsermundart von Triesenberg ist zweifellos sekundär (also dt.).

Deutung
a) Wahrscheinlichster Ansatz ist val uors 'Bärental': Die asyndetische Verbindung (also ohne Präposition d', digl) wird dabei kein Hindernis sein; der Fall steht jedenfalls nicht allein. Die im Rätoromanischen uneinheitliche Entwicklung von lat. ¬ (bzw. vlat. œ) in geschlossener Silbe wird sich mit dem /œ/ unseres Namens durchaus vereinbaren lassen. Derselbe Namentyp liegt vor in Val Uors Disentis, Val gl' Uors Flem, Val di Uors Innerferrera, Val digl Uors Sour, Marmorera; in Vorarlberg tritt Valors Rankweil auf. - Bezüglich /-rs/ > /-r̜s/ sei hier verwiesen auf die analogen Fälle Malarsch Schaan oder auf Pilärsch Grabs.
b) Ein rtr. val arsa 'verbranntes Tal', das allenfalls auf Waldbrände (Kohlebrennen?) Bezug nehmen würde, fällt hier weg, weil der Tonvokal (/œ/) des Namens dazu nicht passt.
c) Ein rtr. vallar m. 'Tälchen, sanft ansteigende Mulde, meist ohne Wasser' (hier im Plural: vallars) scheitert ebenfalls an der Divergenz zum Tonvokal.

val
uors