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Iraggell  (Vaduz)
640 - 820 m; 758,50 - 224,60 5-N

́‘¼r½Å̀‰̡l (s ~ / —s ~ / —m ~ / fœm ~)
Wald und Wiesen nordöstlich oberhalb des Dorfes, umfasst die Teilgebiete Obera Iraggellböchel, Undera Iraggellböchel und Iraggellwes.

Historische Belege
~1510 raggell (LUB I/4; S. 293): "stucki wisen, namlich den halbentail jn ~ gelegen Stost ainhalb an das ander halbtail, sust allenthalben an die almain"
~1510 raggell (LUB I/4; S. 308): "gut genannt ~, Stost zu drýen orrten an die almain ..."
1530 Raggel (RA 10/2/8/2/1; 4r, Z 15): "Item was aúch von färchen, thannen, gerdt staúden, aúch ander pöm klain vnd groß, vnder dem Rúffi Wr, vnder ~, zwischen dem perg, vnd dem weg, der gegen Raggell Wiß gat, ist alles jn Bann... gelegt."
~1618* jm rackhel (LUB I/4; S. 374): "Ein stuckh wisen, den halben Theill ~ an die allgemein"
1642 Raggeller (RA 10/2/8/3/24; 1r, Z 26): "Die ~ Halden, vnd aúff Plaz sovil dz Thenni Holz betrifft."
1693 Iragell (PfAS Urb 1693; I fol. 12r, Z 9): "Sezet Ein ... die ganß wis in ~ ..."
1729 Ihrogehl (AS 2/6; 64r, Z 25): "... der anderte Theill im ~ gegen dem Hë Riß."
1788 Irragell (AS 2/15; I 31v, 4. Sp. Z 3): "1 Stuck das ~ genant."
1797 Jrogellen Wald (RA 32/1/75; fol. 4r, Z 5): ~ bis aúf Line ob únd únder Jrogellen Wieß."
1798 Irogellen Wald (SchäU 222; fol. 1a): "in ~ ob und under Irogellen Wiess bis auf die Line hinauf".
1804 Iragell (AlpAV A 14a-d; a, fol. 1a): "Ein Stück Mager Heboden in ~ gemahnt, stost afwerth an die Allmein, abwerth an Matheas Kaffmaˉ, gegen den Rhein an die Heimgass, bergwert ach an die Allmein."

Wertung der historischen Belege
Die heutige Namensform ist gebildet aus älterem /rak̀ell/ und der dt. Ortspräposition in. Gesichert ist die Verbindung durch die Schreibung seit dem Ende des 17. Jhs.; zustande kam sie freilich weit früher, nämlich in der Epoche des rtr.-dt. Sprachwechsels (zur Problematik vgl. Stricker 1976 und Stricker 1980b, 70).

Bisherige Deutungen
Büchel 1906, 64: Raggel. 'Reute'.
Ospelt 1911, 58: Irakell, Irogell, Ierugell [im ›¼rak̀‰̡l].
Nipp 1911, 111: Irakell. Ableitung zu RUNCUS, RUNCELLUM wäre möglich, Präposition in.
Ospelt 1911b, 5: Irakell. Zu RUNCUS 'Reute'.
Nipp 1924, 103: Iaraggell.
Stricker 1976, 152: N.12, 160: Iragg̀ell. RUNCU + -ALIA, analog Äräggäll Grabs.
Stricker 1980b, 70: Iraggell. Altrom. runcaglia, lat. *RUNCALIA.
Stricker 1981c, 38, 42: Iraggell. < *runc̀aglia mittels Agglutination der Präposition in.
Stricker 1981d, 228, N.40: Irakell.
Ospelt 1981b, 95: Iraggell. Scheint rom. Rodungsname zu sein; das anlautende i- dürfte durch Assimilation aus in oder in der entstanden sein. Raggell ist aus einer Ableitung von lat. RUNCARE 'roden' entstanden und nahe verwandt mit Ruggell und Runkels (Triesen). Das zugrundeliegende lat. Wort lautete RUNCALIA.
Vincenz 1992, 42: Iraggell. Lat. *RUNCA, Deverbale zu RUNCARE 'jäten', rtr. runcar 'roden, reuten' + -ALIA; also 'Rodung, Reute'; semantische Parallele zu dt. Rütti. Durch die Agglutination von in geriet die Vortonsilbe /ru( n)-/ in Zwischentonstellung, was die Reduktion zu /-/ bewirkte; der Ausfall des nasalen Elements im Nexus /-nk-/ in dieser Stellung ist normal.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Die Herleitung des Namens von rtr. runcar 'roden' wird allgemein erkannt; die Erklärung des anlautenden i- bei Ospelt 1981b bedarf der Korrektur. Die Reduktion der vorhaupttonigen Silbe /run-/ zu /-/ ist nicht erst durch die Agglutination des in (und damit die Schaffung einer Gegentonstelle), sondern normalerweise (bei unveränderter Akzentlage) bereits durch die eigene Vortonstellung ausgelöst worden (vgl. den -n-Schwund etwa bei Raggal Grosses Walsertal und auch im Dorfnamen Ruggell). In R̀unkels Triesen dagegen (wo auch runcal + -s in Frage kommt) hat der Nasal sich infolge des frühen Akzentrückzugs im Deutschen erhalten.

Deutung
Rtr. runcaglia f. 'Rodung, Reute', abgeleitet auf das Suffix -ALIA vom Verbalstamm runc- von runcar 'reuten, roden'. In unserem Iraggell ist die deutsche Ortspräposition in agglutiniert worden, gleich wie bei analogem Äräggäll Grabs oder Iraggäll Gams.

runc