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Bartlegrosch  (Vaduz)
455 - 470 m; 757,000 - 224,000 3/4-N/O

b̄artl“gr̓œ¹̜s (s ~, p- / —s ~, —p- / —m ~, —d¼r ~ / fœm ~, fœd¼r ~)
Häuser, Wiesen und Obstgärten nordwestlich des Dorfes, unterhalb des Gebiets Ebaholz, zwischen Landstrasse und Schaaner Strasse.

Historische Belege
1462 Bradagros (GAS U 1; fol. 7b, Z 12f.): "... von der grb vff ~ gen sant ketherinen ze Riuiss in den nussbom ..."
1482 Brotlegrass (SchäZ 13; 7b): "Andreass Dein Zue Vadutz ... Bündt in ~ in Schaaner Kilchspel ..."
1482 Pratle Grosch (SchäZ 13; 7b) "(Aªman) Kranz ... Gueth in ~ gelegen ..."
1482 Bratlagrosch (SchäZ 13; 7b): "Geörg Bürckhli Zue Schan ... Stückhguet Zue Vaduz in ~ ..."
1493 pradagross (GAS U 4; Z 37): "... Das man einen vaden streken ṡolle von ~ vss der gṙub da ein birböm st¯at oder gestanden ist bis gegen Sant katrinen Capaell In den Stok daruff ein nussböm gestanden der In disem Handel gar dick gemelt vnd angezogen worden ist ..."
1578 Bradlagroß (RA 41/3-3; fol. 1v, Z 15): "... ainen stain zúr hindermarckh jn Joachim Quaders Gúott (genandt ~) gesetzt, ..."
1604 Bratligrosch (U 61; 31a): "... Bündt in ~ Schaner Kürchspiel gelegen ..."
1604 Bratlagrosch (U 61; 31b): "... guet in ~ Zue Vadutz gelegen ..."
1616 Batlagrosch (SchäUrb 117; 10a): "Anndreas Thöny Zue Vadutz ... Bündt In ~ in Schaner Khilchspill, stosst gegen dem Rein an die Haimgass ..."
1658 Bratlagrosch (GAS U 26a/b; 26b): "... Von Wegen des Wuers hinder Bratlagrosch ..."
1664 Bartlegrosß (PfAS Urb 1664; 7r, Z 3): "Antoni Maúrer zú Vadúz ... Pint in ~ In Schaner kilspil stost gegen rhein ant Haimbgass ..."
1670 Bratlagrosch (AS 2/1; 71r, Z 5): "... gúeth im ~ ..."
1683 Bartla grosch (AS 1/2; 121v, Z 2): "... weegen der Núßbäúmb aúf der Gemeindt [Vaduz] beý der ~ ..."
1692 Bartle grosch (AS 1/3; 14v, Z 28): "... mägerý wiss, die ~ genant ..."
1706* Batlegrosch (PfAS Urb 1706; 96v, Z 10): "... Megere die ~ genant ... zú den anderen dreýen seiten an die Heimbgaß."
1719 Bartle groß (AS 2/4; 42r, Z 16): "... stückhle in ~ beým Winckhel daraúßen ..."
1719 Bartle groß (AS 2/4; 42r, Z 17-18): "... mägere in der oberen ~ ..."
1721 Bartle gross (AS 2/4; 160r, Z 26): "... die aúßere ~ ..."
1721 Bartlegross (AS 2/4; 160r, Z 17): "Die halbe gross ~"
1724 Barthlgross (GAS U 149; 1a): "... bey ~ ..."
1726 Bartlgrosch (AS 2/5; 147v, Z 12): "1 Stückle Heúwachs in der úntern ~ ..."
1727 Bartle grosß (AS 2/6; 8v, Z 30): "... die aúsßere ~ ..."
1727 Bartligrosß (AS 2/6; 8v, Z 18): "... ain stúckh Hë wax in der ober ~ ..."
1727 Partli grosß (AS 2/6; 8v, Z 31-32): "... die únder ~ ..."
1729 Partli Grosß (AS 2/3; 157v, Z 16): "... Landtshaúbt Mann Conradt Schreiber ... gúett ~ genant ..."
1762 Barthlegrosch (AS 2/8; 180r, Z 17): "... Heüwachß in der aúsßeren ~ ... berg halb an die landstrasß ..."
1767 Barthle Grosch (AS 2/9; fol. 36v, Z 9): "... Heügúth in ~ oder beý der Mühlbach-Bünndt ... abwerth an die Heimgasß, bergwerts an die Strasß ..."
1784 Bartlegrosch (RA 45/1-2; 3r, Z 18): "... die aússere ~ ..."
1784 Bartlegrosch (RA 45/1-2; 2r, Z 21): "... des Welschen ~ ..."
1785 Bartlegrosch (RA 44-15; 1v, Z 11): "... Heüwachs in der aússern ~ ..."
1785 Bartlegrosch (RA 44-15; 1v, Z 12): "Ein Stúck deto (Heüwachs) die ~ Dúolen genannt ..."
1787 Bartlegrosch (RA 37; 1v, Z 13): "... Heüwachs in der úntern ~ ..."
1789 Bartlegrost (AS 2/15; II 16v, 4. Sp. Z 7-8): "... Feistheúwachs im hintern ~ ... gegen Rhein [an die] Aú, gegen Berg [an die] Gaß."
1789 Bartlegrost (AS 2/15; II 16v, 4. Sp. Z 4-5): "... Feistheúwachs im fordern ~."
1792 Bartlgrosch (AS 2/15; II 2v, 4. Sp. Z 10): "... Heugút in der innern ~ ... gegen Berg [an die] Heimgaß."
1803 Partligrosch (PfAS Rodel 1803; 18r, Z 2): "Johannes Wachter ... aûf ~ ..."
1803 Partigrosch (PfAS Rodel 1803; 18r, Z 3): "Herr Zoller Johan Joseph Goldner aûf ~ ..."

Wertung der historischen Belege
Unsere Belegreihe zeigt durchwegs einen (vor dem Hintergrund der obigen Formen) offenbar entstellten Typ /pratlagra¹s, -lagro¹s, -lagro̜s/ bzw., ab Mitte des 17. Jhs., fast einhellig /bartlegro¹s, -gro̜s/ mit offenkundiger Einmischung der alemannischen Rufform Bartli (zum Personennamen Bartholomäus) im ersten Teil. - Wechselnd stellt sich in diesem Fall bis heute der grammatische Einbau des vordeutschen Namens in den deutschen Kontext dar. Während die erste Belegschicht (bis 1664) naturgemäss durchwegs artikellose Verwendung zeigt (also: auf, in Bratlagrosch etc.), folgen verschiedene Integrationsansätze: 1670 (wohl) sächliches Genus mit im Bratlagrosch, gleich darauf 1683 schon fem. bèy der Bartla grosch, das dann auch später vorwiegt, jedoch sich nicht gänzlich durchsetzt. Solches Schwanken im Bereich des grammatischen Geschlechts ist bei vordeutschem Namengut natürlich nicht verwunderlich: nach einer ersten Phase des artikelfreien Gebrauchs musste sich die alem. Lokalsprache ja erst auf eine syntaktische Gebrauchsform (sekundär meist mit einem Artikel) festlegen, und diese Fixierung war grundsätzlich nach verschiedenen Richtungen möglich. - Es lassen sich übrigens in diesem Sachzusammenhang in den verdeutschten Zonen unterschiedliche regionale Tendenzen feststellen (vgl. zum Problem Stricker 1981c, 44f.). In vorliegendem Fall hat sich keine Lösung endgültig durchsetzen können (was eher die Ausnahme ist): noch der heutige Gebrauch ist gemäss den Angaben der Gewährsleute schwankend. - Zur Belegreihe vgl. auch Vincenz 1983, 95 s. v. †Pradagros Buchs, der drei Belege (1462, 1493 und 1657) für den Buchser Namen reklamiert; allenfalls gehören alle dort aufgeführten Belege zu Bartlegrosch Vaduz. So wird der Erstbeleg 1458 für den Buchser Namen von Ospelt 1911 (über Kaiser 1847) übernommen.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 19: Bartlegrosch [ir b́artligr̓œ( ¹) ̜s].
Nipp 1924, 103: Bartlegrosch.
Stricker 1981c, 45, 47: Bartlegrosch. Wohl volksetymologische Einmischung des Personennamens Bartli. Der Name wird fest mit Genus und Artikel verwendet.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps ASSULA MACARIU 'Hütte des Mager' (?!) ist nicht ernst zu nehmen: weder der Heiligenname Macarius (zu griech. MAKARIOS 'selig', vgl. RN 3, 387) noch lat. ASS¬LA 'Splitter' (!; REW 736) ist in Romanisch Bünden vertreten (und ein dt. Reflex *Mager des Personennamens, wie er von Nipp angesetzt wird, ist auch nicht bekannt).

Deutung
Wohl zu artr. prada grassa 'Fettwiesen'. Ob im Namenteil *-grassa sekundäre Ablenkung nach dt. gross oder nach rtr. gross, grossa 'dick' vorliegt, oder ob «bloss» von Lautverdumpfung (/a/ > /¡/ > /œ/) auszugehen ist, lässt sich nicht sicher sagen. Nicht ganz auszuschliessen ist in Hinblick auf die entstellten (?) Formen auf Bratlagr- Einwirkung eines rtr. Diminutivs *pradella grassa, das parallel zum Syntagma mit Grundform, /prada grassa/, durchaus auch bestehen konnte - in romanischer Zeit und darüber hinaus. Derselbe Name ist übrigens bezeugt in †Pradagros Buchs, das auffälligerweise im 16. und 17. Jh. ebenfalls als Bradlagrosch, Bratlagrosch auftritt (vgl. Vincenz 1983, 95f., mit zögernder Anknüpfung an ein rtr. prada grossa). Auffällig ist die ähnliche Entwicklung des ersten Namenteils in Bartledura Schaan (dieses ist jedoch gesondert zu betrachten).

pra(u)
grass