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Drasgimiel  (Triesenberg)
9-T/U

Unbekannt. Örtlich identisch mit Alpelti2.

Historische Belege
1378 Dr̀asgimiel (LUB I/4; S. 90): "... genant ~"
1403 Drâsgmiel (LUB I/4; S. 150): "Alppli Daz hut ze tag ~ genant"
1403 drasgmiel (LUB I/4; S. 151): "mit jro Vehe wol wider vf jn ~ varn"
1493 Drasgimiel (GAT U 22; Z 10): ".., vnd das ġut genant ~, das an dieselben Allpp Valll stosset."
~1650 Drasgmüel (LUB I/4; S. 156): "Erblehenbriefs vmd dz alppelin ~ ob Vallüna"
1665 Drassgmül (LUB I/4; S. 156): "Jnnhaber des ... Alpelins, ~ genandt"
~1681* Grasi jänlin (LUB I/4; S. 430): "Der wanger vndt der Gösner Alpelin, iezt der walser Alpelin ~ genannt"

Wertung der historischen Belege
Es scheint sich in der ältesten Belegphase um eine Form /dra( u) sgim¼l/, evtl. mit verdumpftem --, zu handeln. Der Zwischentonvokal /i/ wird offenbar jünger durch Synkopierung ausgestossen; der Haupttonvokal tendiert (offensichtlich unter dem Einfluss des -m-) zu gerundetem /ü/. Die Form von 1681 ist offensichtlich grob verballhornt.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 111: †Drasgimiel. Wohl möglich ist TRANS GEMELLOS (TRANS hier im Sinne von 'zwischen' oder 'hinter').
Beck 1952, 263: Drasgemiel. Nach Nipp < lat. TRANS GEMELLOS 'hinter den Zwillingen', wobei diese der Heubühl und der Rote Tschuggen sind; vom Rheintal aus gesehen, sind sich diese zwei Erhebungen ähnlich.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps Vorschlag lässt sich formal gesehen nicht geradewegs abweisen; dennoch erscheint er nicht recht plausibel: sicher schiene es möglich, ein artr. *tras scham̀els 'durch die Zwillinge' anzusetzen, und es wäre denkbar, dass die formalen Mängel dieses Ansatzes den Zufälligkeiten der Überlieferung angelastet werden könnten (Übergang */t-/ > d-; Schreibung des inlautenden -sch- (< */̜z-/) als [palatales?] -g-; Wegfall des auslautenden -s). Auch gegen eine Benennung zweier sich gleichender Bodenerhebungen als «Zwillinge» ist grundsätzlich wenig einzuwenden. Ob freilich das rtr. tras 'durch' hier als 'hinter' (statt rtr. davos) bzw. als 'zwischen' (statt tanter) interpretiert werden darf, scheint doch eher unsicher.

Deutung
Vielleicht lässt sich Dras- mit rtr. draus oder dros m. 'Alpenerle' in Verbindung bringen. Formal und auch sachlich würde dies passen; man vergleiche im fraglichen Raum die Bezeichnung Erlastich für den Steilhang im Alpelti2 östlich unterhalb der Wanghöhi. Schwieriger ist eine Anknüpfung des folgenden Namenteils, dessen (palataler?) Anlaut sich nicht hinreichend erkennen lässt: */gim¼l/? */̛gim¼l/? */̜sim¼l/? Handelt es sich dabei um ein abgegangenes Toponym der Umgebung, auf den der Name für das Erlengebiet Bezug nimmt? Muss wieder auf rtr. schamel m. 'Zwilling' zurückgegriffen werden? Ein Sinnzusammenhang wäre nicht erkennbar. Andere Anknüpfungsmöglichkeiten liessen sich erzwingen, blieben aber fraglich.

draus