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Rudabach  (Schaan)
720 m; 759,20 - 227,10 6-K

r̓¥d½b́a̠x (d¼̠r- / ½n ~ / ½m ~ / fœm ~)
Steiler ansteigender Waldhang westlich unterhalb des Gebiets Bäraboda, nördlich des Efiplankatobels.

Historische Belege
1776 Rüdten bach (GAS U 143; 26/2, fol. 1a): "... zãue unterest im Erlh, Alwo man von dem ~ ..."

Wertung des historischen Belegs
Die Form mit ü ist vermutlich verlesen (ü und u sind in älteren Handschriften oft schwer auseinanderzuhalten); es wird Rudten bach zu lesen sein.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 92: Rudenbach [d¼r r̠udab̀ax].
Ospelt 1911b, 21: Rudenbach.
Broggi 1981, 166: Rudenbach. Von Rodung abzuleiten.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Ein Zusammenhang mit dt. Rodung f. ist ausgeschlossen.

Deutung
Unsicher. Der in Liechtenstein vereinzelte Name steht insgesamt nicht ganz allein da: gleichlautendes Ruda(-) tritt auch in Vorarlberg auf, nämlich in der Gemeinde Weiler mit den beiden Namen Ruda und Rudatöbele. Diese Ruda-Namen scheinen zusammenzugehören.
a) Ein alpines Reliktwort für 'Wasserfall, Sturzbach; Felswand (über die sich ein Bach ergiesst)', aus dem Gallischen übernommen, lebt als froda f. in den alpinlombardischen Mundarten der italienischen Schweiz weiter; als Lehnwort rtr. fruda f. ist es über den Greinapass vom Bleniotal (Olivone-Greina-Diesrut) ins surselvische Lugnez (Vrin) gelangt. In den übrigen Zonen Romanisch Bündens fehlt das Wort indessen gänzlich. Aus dem Gallischen (wohl über romanische Vermittlung) ist das Wort auch früh in die Bergmundarten der westlichen und zentralen deutschen Schweiz eingegangen: als Frutt f. 'Felsspalte', in Namen verbreitet für Felsaufstiege, Bacheinschnitte. Dabei dürfte Frutt in der Zentralschweiz nicht ein eigentliches Importlehnwort (aus dem Alpinlombardischen) darstellen, sondern Überrest eines einheimischen, nach Süden ausgerichteten romanischen Substrats sein. - Man ist nun zunächst versucht zu fragen, ob der vereinzelte Name Rudabach Schaan mit besagtem Worttyp in Verbindung gebracht werden könnte. Dabei treten allerdings schon nach kurzer Prüfung Probleme zutage, die nicht für einen Zusammenhang sprechen: Die kompakte Verbreitungszone des Frutt-Toponyms im schweizerischen Alpenraum umfasst einen Raum von Oberwallis, Pomatt und Oberhasli im Westen bis nach Obwalden, ins Pilatusgebiet und Entlebuch im Osten. Eine Fortsetzung bis ins Rheintal ist nicht festzustellen. Damit ist allerdings von nicht-«rätischem» Charakter des Frutt-Typs auszugehen. Wäre dieser auch im Rätoromanischen vorhanden (gewesen) und über dieses vermittelt worden, dann wäre dort freilich eine Form *Fruda zu erwarten; dieses *Fruda könnte über Deglutination des anlautenden F- leicht zu der vorhandenen Form gelangt sein (*uf Fruda > uf Ruda). Aus semasiologischer Sicht nähme sich der Ansatz vielversprechend aus: eine Verbindung des fraglichen Ruda (falls < fruda 'Wasserfall, Sturzbach'!) mit dem dt. Bach m. würde dem bekannten Muster der Übersetzungsnamen folgen. Und auch die topographischen Voraussetzungen kämen der Deutung sehr entgegen (unmittelbare Nähe zum steilen Efiplankatobel mit seinen Bachverbauungen). Da nun aber der Worttyp insgesamt im (alt-)rätoromanischen Raum als genuines Substrat sonst nicht nachzuweisen ist und auch die Annahme walserischen Imports des Worttyps hier nicht weiterhelfen wird (umso weniger, als dann doch Frutt zu erwarten wäre), scheint der Anknüpfungsversuch fehlzuschlagen.
b) Eine Verbindung mit mda. Rüde (spor. auch Rude) f. 'Räude, Krätze; Hautausschlag; Schmutzkruste', oder mit dem (veralteten) Pflanzennamen Raudenkraut n. 'Gemeine Skabiose, Taubenkrätzkraut (Scabiosa columbaria L.)' (Jutz 2, 664; Flora Helv., 1032) ist nicht wahrscheinlich zu machen.

fruda
Bach