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Kröppel  (Schaan)
790 - 1100 m; 759,2 - 225,8 6-M

̅kr̊œpÆ (~ / ¥f ~ / ¥f ~ / ~)
Steiler Waldhang östlich oberhalb des Dorfes, ob dem Duxwald, nördlich durch das Alpilawegle begrenzt; von Felspartien durchzogen.

Historische Belege
1683 Grippel (AS 1/2; fol. 112r, Z 17): "Eodem klagt Lorenz Maýer ... wie daß Sie schonn etlich Jahr in seinem gúeth ~ mit ihrem schädlichen Vieh ... grossen schaden zúefüegen ..."
1722 Kröpler (AS 2/5; fol. 5r, Z 19): "... Susanna [erhält bei der Erbteilung] die looß gegen Schann sambt denen daraúff stehenden baümen, zu welchen der ~ aúch solle gehörig sein ..."
1722 Kröpffler (AS 2/5; fol. 5r, Z 29): "... die zweý aüßere stúckh wohin der Júng ~ gehörig sein solle."

Wertung der historischen Belege
Die Belege bewegen sich um eine Kernform Grüppel, K-; vereinzeltes Grippel weist Entrundung des Vokals auf; die Formen mit -ö- zeigen die mundarttypische Vokalsenkung. Die Belegformen Kröpler, Kröpffler sind deutsche Ableitungen auf -er.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 65: Krüppel [uf kr̮œpl].
Frick 1963: Krüppel. Vorröm. gripp 'Fels'.
Frick 1973b, 251: Krüppel. Vorrom. Alpenwort krippo.
Frick 1974, 34: Krüppel. Vorröm. *krippo 'Fels', rtr. grippa 'steile Felsen', frz. Wallis krepo 'Fels'.

Wertung der bisherigen Nennung
Die Form Kristbaumries bei Ospelt ist verfremdet.

Deutung
Der Name gehört zu einem vorrömischen Worttyp, der insgesamt über ein grosses zentraleuropäisches Areal verbreitet ist (von Piemont bis in die Dolomiten, von Nord- und Mittelitalien bis ins nördliche Apulien und im Gebiet des Dalmatischen und Albanischen). In Romanisch Bünden zeichnen sich zwei Zonen ab: in Unterengadin, Hinterrheingebiet und Surselva erscheinen die Basisformen grip( pa), grep( pa), wogegen in Münstertal, Oberengadin und Oberhalbstein eine im Anlaut verhärtete und abgeleitete Form crippel, creppel, criepel vorherrscht. In Deutschbünden und Unterrätien finden sich die Typen grip und crippel spärlich in Toponymen. Wir finden Heidenaggergripp Haldenstein, Grippla Mutten, Crippelti Avers (letzteres mit walserischem Diminutivsuffix -ti). Im liechtensteinischen Kröppel Schaan bzw. Chrüppel Triesenberg haben wir es mit einem Fortsetzer der bündnerischen crippel-Zone zu tun. Hier erscheint der Tonvokal (ursprünglich -i-) unter dem Einfluss des -p- in alemannischer Zeit zu /-ü-/ gerundet (und in den Talmundarten regulär zu /-ö-/ gesenkt). Die Aspirierung des ursprünglichen Fortisanlauts /k-/ in der Talmundart als /̅k-/ findet in der Walsermundart ihre Entsprechung im Frikativ /¿-/. Das heisst, die Walser haben den (hier vordeutschen) Anlaut /kr-/ behandelt entsprechend etwa dem Verhältnis von talmundartlichem Krüz und walserischem Chrüz. - Siehe auch Gaschlo.

grip