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Katzarank  (Schaan)
495 m; 757,39 - 225,13 4-M

̅ḱats½r̀a¾̅k (d¼r ~ / tsœm ~ / —m ~ / fœm ~)
Wiesland, Häuser und Strasse im Gebiet Quader, westlich des Gebiets Bardella, nördlich der Quaderröfi. Die Strasse verläuft westlich des Gebiets und verbindet die Strassen Im Wingert und Bardellaweg; der Strassenname wird offiziell mit Präposition (Im Katzarank) verwendet. Vgl. auch †Pfrundkatzenrank.

Historische Belege
1482 B(...)tzenranckh (SchäZ 13; fol. 9a): "Hannss Futscher Zue Vadutz ... Ackher in ~, stost Auffwerth Ahn Hasten Ackher, Abwert An St. Lorentzen Zue Schan Pfundt guet ..."
~1510 gaczerang (LUB I/4; S. 308): "ain pûndt genannt ~, stost gem berrg vnd vfwerrt dem landnach an die almain abwerrt dem landnach an der pfrnd gt ..."
~1510 jngalzarang (LUB I/4; S. 303): "stucki ~ gelegen ... gem rýn werrt an der pfrnd gt ... gem berrg wert an sant peters gt"
~1510 galczarang (LUB I/4; S. 306): "acker jn ~ gelegen ..."
1604 Gatzenranckh (U 61; fol. 34a): "... Ackher in ~ Schaner Kürchspiel gelegen ..."
1616 Katzenranckh (SchäUrb 117; fol. 12b): "Hannss Fuetscher Zue Vadutz ... Ackher Zu Schan In der Quader gelegen, im ~ stosst aufwerth an Hasen Ackher, abwerth an St Laurentzen pfruendt ..."
1664 Kazenranckh (PfAS Urb 1664; fol. 8v, Z 7): "Amman Adam Kranz ... ackher im ~, stost aúfwerth an Hasen Ackher, abwerth an St. Lorenzen zú Schan Pfrúndtgúeth ..."
1726 Kazenrang (RA 46-1; fol. 1v, Z 1): "... der ~ ..."
1763 Katzenranckh (GAS 40/106; fol. 1r, Z 10-11): "... Weingarten in Qúader ... bergwerts an den ~ ..."
1781* Kazenrank (AS 2/10; F 13b, Z 23): "Ein Stückle Weingarten in Qúoder ... gegen berg an sogenannten ~ ..."
1807 Katzenrang (AS 2/15; fol. II 106v, 4. Sp. Z 11-12): "1 Stuck Heúland im ~ genant."
1811 Kazerang (PfAS Rodel 1811; fol. 5r, Z 9): "Joseph Wenaweser aûf Qûoders Wingert beý ~ ..."
1815 Katzenwang (Schuppler 62): "Bei Vaduz ... Acker und Heuguth auf dem ~"

Wertung der historischen Belege
Im ersten Beleg 1482 sind der zweite und der dritte Buchstabe unleserlich. Der Name weist ein älteres Belegstadium /galtsera¾/ (vermutlich mit Betonung auf /-̀a¾/) auf; daraus wird deutlich, dass die jüngere (und heutige) Form in ihrer vermeintlichen Verständlichkeit bloss das Ergebnis einer sekundären Umformung (Neumotivierung) darstellt, dass also für die Deutung des Namens weiter ausgeholt werden muss. Ospelt 1911, 61 und Nipp 1911, 97 führen noch weitere entsprechende Formen auf.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 97: Katzenrank, -ang [im ̅k̀ats¼ŕa¾k]. Die heutige Schreibung ist eine gehörige Volksetymologie. Vgl. Calceranica Caldonazzo (Südtirol), urkundlich 1377: Calzerank. Eine Ableitung zu CALCARIUM 'zum Kalk gehörig', resp. CALCERIUM liegt nahe. Also evtl. ein PRATUM CALCERANICUM? Die Schwierigkeit der Entwicklung lt̜s- > -lts- weist auf frühen Übergang!
Ospelt 1911, 61: Katzenrank, -rang [bim ̅katsaŕa¾k].
Nipp 1924, 103, 107: Katzarank. Ist scheinbar rein deutsch: 'Ort, wo die Katzen den Rank nehmen', in Wirklichkeit jedoch romanisch, mit ursprünglicher Bedeutung 'Kalk, Kalkofen, Kalkboden' o.ä.
RN 2, 643: Katzenrank Schaan wird dort erwähnt im Rahmen einer grösseren, offensichtlich kohärenten Namengruppe, die unter Calzer̀anc zusammengefasst erscheint: Cazirauns Medel, Calzereun Degen, urk. 1358 Caltzairang, 1541 Kaltzerang Ruschein, urk. 1433 Galzirank Domat, urk. 16. Jh. Praw Caltzeranck Salouf, urk. 1410 Kalzerank Riom, urk. 1405 Calzerank Lantsch, urk. 1556 Galtzarank Schiers, Calzarangg, urk. 1481 galtzeranck, Fanas, urk. 1515 Galtzerank Jenins, urk. 1375 Calzerank, 1576 Caltzerank, Maladers; Ganglarangs Vättis, Katzenrank Schaan. Die Endung entspricht dem Suffix -ANCU, das zur Bildung von Adjektiva diente. Der Stamm zeigt durchwegs lautliche Übereinstimmung mit rtr. calźer m. 'Schuh' (DRG 3, 28ff.). Dennoch findet Schorta für einen Ansatz *CALCEARIU + -ANCU "keine aus den Örtlichkeiten erschliessbare, auf die Art der Bewirtschaftung zurückgehende Bedeutung". Auch die Annahme, der erwähnte Ansatz "könnte einen Fussweg, einen Graben oder dergleichen bezeichnet haben, kann nicht durch Gegebenheiten der Bodengestaltung gestützt werden. Doch bleibt Zusammenhang mit CALX 'Ferse' trotzdem wahrscheinlich."

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp hat recht, wenn er die heutige Schreibung einer Neuinterpretation des Namens zuschreibt und diesen als vordeutsch betrachtet. Schwieriger wird es, wenn er den Namen auf CALCARIUM 'Kalk-' zurückführt und die dann entstehende Unstimmigkeit der Entwicklung von -C- im Nexus -LC- vor A damit lösen will, dass er statt dessen auf eine fiktive Nebenform *CALCERIUM ausweicht (mit der natürlich nichts gewonnen ist). In der Tat aber geht -LCA- mit dem vom Namen geforderten -lts- nicht auf; man vergleiche etwa die deutschbündnerischen Reflexe von lat. CALCARIA 'Kalkofen' (rtr. chalchera [E], caltgera [S]) und dessen Ableitungen (nach RN 2, 61): urkundlich ca. 1450 Galgyera Tamins, Calggera Maienfeld, Calcäris Castiel; Cacarola (urkundlich 1449 Galgarola) Jenins. Daraus kann nur geschlossen werden, dass ein Ansatz CALCARIUM 'Kalk-' dem vorliegenden Problem offenbar nicht gerecht zu werden vermag. Die Schwierigkeit im Verhältnis von /-lts-/ und /-lt̜s-/ sieht Nipp dagegen richtig (das in den Belegen vorhandene /kaltser̀ang/ will er ja auf ein */kalt̜ser̀ang/ zurückführen); sein beiläufiges Urteil "weist auf frühen Übergang" bietet so allerdings auch keine überzeugende Erklärung. Das komplexe Verhältnis von /-lts-/ und /-lt̜s-/ besteht bereits im Rätoromanischen (und in dessen Beziehung zum Italienischen); es wird auch von Lutta 1923, §§ 285, 305 eingehend behandelt. Davon abgesehen, gibt dasselbe Lautpaar auch im Berührungsbereich von Rätoromanisch und Deutsch Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit: wie Stricker 1981b, 179 (mit Anm. 4) zeigt, wird öfters rtr. /-t̜s-/ mit der Übernahme ins Deutsche in Namen und Appellativa zu -ts-, und man möchte daher gerne Schortas *CALCEARIU + -ANCU hier wieder in die Diskussion bringen; doch zum ersten fehlen jegliche Belegformen mit der Schreibung -tsch- gänzlich, und im übrigen wären ja die anderweitigen (semasiologischen) Schwachstellen des Ansatzes damit noch immer vorhanden. Der Fall bleibt damit weiter zu untersuchen.

Deutung
Aus obenstehenden Ausführungen und Überlegungen gehen folgende vorläufigen Erkenntnisse hervor: Der Name muss im Zusammenhang der ganzen Gruppe betrachtet werden. Sicher ist er nicht deutsch. Mit dem Begriffsfeld 'Kalk' ist er nicht zu verbinden. Eine Verbindung mit rtr. calźer m. 'Schuh' wäre formal in Ordnung, scheint aber sonst schwer zu erklären.