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Dux  (Schaan)
530 m; 757,75 - 225,95 4-M

³¥ks (~ / ¥f ~ / ¥f ~ / ~)
Wiesland mit Häusergruppe und Marienkapelle östlich oberhalb des Dorfes.

Historische Belege
1404 Tux (LUB I/1; S. 447): "... sant Mauriczien altârs ze Cur acker, den •vlrich von, ~ ze Erblehen hât;"
1411 Tux (LUB I/1; S. 464): "... obenz bergshalb an •vlrichs von ~ gt ..."
~1510 Tux (LUB I/4; S. 258): "ain wisen vff ~ gelegen, stost abwerrt an der Heren strss ... Herjnwerrt an die almain"
nach 1706* Dux (PfAS Urb 1706; fol. 81r, Z 12): "Zinßeth Johanes Risch wo forhin aúff ~ gewesen ..."
1721 Dux (Heber-Karte)
1734 Dux (AS 2/7; fol. 53r, Z 6): "... Ein stúck Gúth beým Haúß gelegen aúf ~ ..."
1743 Dux (PfAS U 11; Z 4): "Nos Josephus Benedictus ... Episcopus Curiensis ... consecraverimus Capellam sitam in loco ~ nuncupato Schanensis Parochiae, Diocesis nostrae Curiensis ..."
1745 T̀ux (PfAS Urb 1693; I fol. 1v, Z 9): "Zünset ietzt Michael Beckh aúf ~ ..."
~1750 Dux G̀uth (RA 143-1750; S. 4, Z 10): "Ein Stúck mager heú gúth in Gallina ... hat am maß ... die mittere breite vonn hag gegen dem ~ bis an Zaún gemeßen ... 23 Klafter."
1797 T̀ux (RA 32/1/75; fol. 4r, Z 34): "... der Weidgang aúf ~ únd aúf der Stein Egeten ob den Schanner Güther."
1798 Tux (SchäU 222; fol. 1b): "Der Zipfel Wald, under und hinder den Hausslossen bis an die Rüfe und an den Weidgang hinunder auf ~ und die Stein Egeten".
1803 Dûx (PfAS Rodel 1803; fol. 10r, Z 13): "Joseph Conradt ~ ..."

Wertung der historischen Belege
Die Belegformen geben die heutige Aussprache wieder. Ob die Belege 1404 und 1411 hierher gehören, ist fraglich.

Bisherige Deutungen
Büchel 1906, 64: Tux. Wohl von DUCTUS 'Wasserleitung'.
Nipp 1911, 20: Dux [uf tuks]. Gleich gebaut wie Buchs SG, urkundlich 1050 Bugu, welches [buks] lautet. Sekundäre Kürzung von ̠u, da ̞u zu /œ/ geworden wäre. Romanisch? Vorrömisch? Wohl nicht germanisch, evtl. identisch mit Tuggen SZ?
Ospelt 1911, 31: Duxer [uf tuks].
Frick 1974b, 13: Dux. Lat. DUCTUS 'Leitung', rtr. dutg 'Wassergraben'.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Fricks Beobachtung zum Übergang /m( ½) r-/ > /br-/ ist richtig. Den Übergang von vortonigem /mar-/ (über /mr-/) zu /br-/ kennen wir ganz analog auch in mda. (unterländisch) Brend m. 'nachmittägliche Zwischenverpflegung' < älter (noch oberländisch) *M( a) rend (zu rtr. marenda f. 'Imbiss'). Nachzutragen bleibt, dass dieser in die Zeit nach dem romanisch-deutschen Sprachwechsel fällt und zusammenhängt mit der in Unterrätien häufigen Schwächung (und dem teilweisen Schwund) der unbetonten Anlautsilbe in ursprünglich schwachtonig anlautenden romanischen Wörtern und Namen. Der Ersatz des eher unüblichen Anlautnexus */mr-/ durch /br-/ (> /br“t̜s½/) war möglich, weil m und b homorgan, d. h. artikulatorisch teils identisch sind). Bei den von Frick weiter angeführten urkundlichen Formen auf W- ( Waritschen, Woritschen) würde man einen Verschrieb annehmen, wäre da nicht die Angabe von Nipp 1911, 91, dass ein Woritschli [wœrt̜sli] in Schaan (als Name) überliefert sei; so ist doch eher von einer lautlichen Verschiebung (etwa von */bart̜sa/ zu /wart̜sa/) auszugehen. - Nipps Überlegungen zur Herkunft des Namens stützen sich auf Schneller 1893, 50f. Dieser hatte anhand ähnlicher tirolischer Namen und appellativischer Belege (urkundlich 1509 ain maritschen, 1692 ain alte Mar̮etschen) auf das Testament des Bischofs Tello vom Jahr 765 hingewiesen, wo zweimal der Ausdruck MURICIUS in der Verbindung sala muricia, offenbar für ein 'gemauertes Gemach' erscheint. Nipp bezieht diesen Ansatz nun auf unseren Namentyp Maritschen (bei ihm fehlt auffälligerweise die aktuelle Form Britschen bzw. Bretscha, im Gegensatz zu Ospelt). - Nipps Verbindung mit einem MURICEA (zu MURUS 'Mauer') wird von Frick konkret identifiziert mit rtr. murütsch m. (Eo) 'Keller' (was von Nipp so nicht gesagt wurde, aber etymologisch stimmt). Formal wäre die Verknüpfung einwandfrei. Sie wird allerdings von Frick aus sachlichen Erwägungen abgelehnt, und zwar wohl zu recht: der Namentyp Maritscha/Bretscha bezeichnet, soweit wir sehen, stets riedige Zonen, wo schwerlich Mauerwerk bzw. Keller zu suchen sein werden. - Wenn das spätlat. MURICIU hier aus semasiologischen Erwägungen beiseite zu lassen ist, wo soll dann angeknüpft werden? Nipp denkt, ohne weitere Angaben, auch an einen vorrömischen Stamm MAR-. - Frick führt den Namen auf die indogermanische Wortwurzel MORI zurück, die auch in dt. Moor weiterlebt. Semasiologisch scheint diese Anknüpfung in der Tat passend. Was Frick offenlässt, ist freilich die Frage, welche einzelsprachliche Überlieferung hier denn in Frage kommt bzw. wahrscheinlich zu machen ist. Mit der Bezeichnung eines sprachlichen Ururahnen allein ist es ja nicht getan; es müssen auch zu den näheren Umständen der angesetzten Verbindung (also den jüngeren Bindegliedern) plausible Überlegungen angestellt werden. Ein Rückgriff auf vorlateinische Zusammenhänge liegt in der Tat nahe. Dennoch kann das Problem auch aus unserer Sicht keineswegs als gelöst dargestellt werden, insbesondere dann nicht, wenn (wie die Forschung heute annimmt) das «Rätische» (die vorrömische Sprache des Ostalpenraumes) sprachlich gerade nicht der indoeuropäischen (indogermanischen) Sprachfamilie zuzurechnen sein soll. - Ob das Keltische als Vermittler in Frage käme, scheint ebenfalls unsicher, denn dort fehlt (beim einschlägigen MOR- 'Meer') der Bedeutungsbereich 'Sumpf, stehendes Wasser'; genau dieser wäre hier indessen vorauszusetzen.

Deutung
Rtr. dutg m. 'Bach'. Zur Zeit der alträtoromanischen Zweikasusflexion bestand neben dem obliquen Kasus /dưc/ < lat. DUCTU[M] auch noch ein Casus rectus (Nominativ) auf -s (*/dưcs/ < lat. DUCTUS). In der Epoche der Zweisprachigkeit sind solche Formen auf /-s/ («Ortsnamen-s») namentlich in deutschem Munde erhalten geblieben bzw. haben sich analogisch weiterverbreitet. Da im hier vorliegenden Fall dieses */dưcs/ (Nom. Sg.) mit dem Plural auf /-s/ formal zusammenfällt, lässt sich rein sprachlich nicht entscheiden, ob der Name auf einen oder auf mehrere Bäche Bezug nimmt. Die gleiche Entwicklung zeigen Duxgasse Feldkirch sowie Duxbild, Duxbrunna, Duxhöhe Nenzing. - Etwas anders ist das lautliche Ergebnis bei Vaduz Vaduz und Iradug Balzers, die dasselbe Stammwort enthalten (siehe dort).

dutg