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Ackernell  (Schaan)
4-M

Unbekannt. Im Gebiet Quader.

Historische Belege
~1510 ackern̞ell (LUB I/4; S. 307): "Vnd ain mit ml acker och jn quader gelegen, genannt ~ stost ... obna an der Herrschaft hof ..."

Wertung der historischen Belege
Der einzige Beleg scheint im Anlaut nach dt. Acker abgelenkt; dabei dürfte ursprünglich Agglutination der deutschen Präposition an (wozu grundsätzlich Stricker 1976) im Spiel sein: < */an k½rǹe̡l/?! Damit ist wohl von */k½rǹe̡l/ auszugehen für die Deutung.

Bisherige Nennung
Nipp 1924, 103: †Ackermel.

Deutung
a) Wohl zu artr. *curtiniel m. 'Höfli', Diminutivableitung aus rtr. curtin (E, S), curtgin (S), m. 'Baumgarten, eingezäuntes Grundstück, meist neben dem Haus; Einfang, Baumgarten, Hausgarten; Einfriedung, Pferch'; auch 'eingefriedeter Viehlagerplatz auf der Alp'. Durch Synkopierung des in Zwischentonstellung geratenen ursprünglichen Tonvokals -i- (in */kurtn/) ergab sich nach der Verdeutschung ein */kurt'n¼l/, dies als Folge der Tonverlagerung, die mit der rätoromanischen Diminutivableitung (*/kurtn/ + -ELLU > /kurt[i]n¼l/) einherging. Der durch die Synkope entstandene konsonantische Nexus /-rtn-/ ist in der Schreibung der Belegform allerdings nicht vorhanden; das schriftlich bezeugte -rn- kann aber leicht eine Sprechform /-řtn-/ mit ihrem nur schwach hörbaren (weil implosiven) /-̗t-/ vertreten. - Gleicher Herkunft mit vorliegendem Fall ist der Dorfname Gurtnellen UR. - Der einfache curtin-Typ erscheint in der näheren Umgebung etwa in Gatin Wartau (Wiese zwischen Oberschan und Gretschins) sowie in Gatina Wartau (Häusergruppe am Hang nördlich über Azmoos).
b) Ähnlich lautende Namen in Graubünden (Curnealas Scharans, Carnellis Jenins, Carneglias Breil) werden von RN 2, 109 mit Vorbehalt zu rtr. curuna (E), cruna (S) f. 'Kranz, Krone, Gesimse' gestellt. Ein Zusammenhang mit unserem Fall ist gleichfalls nicht auszuschliessen. Zur Namenbedeutung lässt sich nur mutmassen; handelte es sich um eine kleine Ackerfläche in erhöhter, gesimsartig vorstehender Lage?
c) Ein Rückgriff auf lat. CARDINE (vgl. RN 2, 648 s. v. Carǹella Soglio) oder auf C¬N̅ICULU 'unterirdischer Gang' (vgl. RN 2, 122: Carnil, Canil Vals) könnte (mit Vorbehalten) ebenfalls genügen, darf hier aber wohl beiseite gelassen werden.

curtin
cruna