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Maschlina  (Triesen)
460 m; 758,3 - 220,6 5-R

m½̜sl̓Œn½ (̌p- / —̌p- / —r ~ / fœr ~)
Wiesen und Häuser östlich der Landstrasse, südwestlich unter dem Meierhof.

Historische Belege
1367 Buschlinun (LUB I/2; S. 175): "... wisen haiset ~ Dv liget ze Vadutz ennet dem vorst Die selben wisen mit Grund mit Grad mit Steg mit weg mit holz mit veld mit wasser flssen."
1440 Maschlinen (PfAT U 2; Z 10): "... wisen an ~ och halben stost abwert an ... suss umb und umb an Trisner wald."
1458 an maschlinen (PfAT U 3; Z 5): "... wisen genant ~ und stost niderwert an ... gt, nebentsich an die almaind ..."
1497 Marschlina (GAT U (1584); fol. 3a): "... hinab wert gegen Trissen Stffen Egg an ~ Zan ..."
1544* (1666*) Maschlina (PfAT Urb 1; S. 37, Z 6): "Nach Jnhalt Eines alten Brieffs ... besigelt anno 1544, ... welcher der Maschliner brieff mag genent werden, befindet sich, dz dem heiligen Patronen St. Gallen jahrlicher Zinß ab dem gúet ~ zú Trisen ober St. Wolffgang vnd dem Maýerhoff gúet gehöre ..."
1584 maschlinen (GAT U 36; Z 10): "... z ~ Zan ..."
1652 Maschlinen (GAT Urb 1607; S. 42, Z 5): "... ein Stúckh gúeth am ~ genant gelegen ..."
1659 Maschlina (GAT U 54; Z 6): "... ahn ~, beý St:Wolffgang Capellen, Nägst Vnserm Maýerhoff gelegen ..."
1663 Marschlina (GAT U 46; Z 18): "... Stck In den Erlen genant ob ~ gelegen ..."
1700 Maschlinas (AS 2/18; fol. I 31v, 4. Sp. Z 12): "... 3 Stuck [Acker] aúf der ~ ..."
1706 Maschlinen (GAT U 43; Z 20): "... an ~ ..."
1719 Maschlina (AS 2/4; fol. 33v, Z 10): "in ~"
1720 Garschlina (AS 2/4; fol. 82v, Z 16): "... ein stückhle feistes in ~ ..."
1720 Maschlina (AS 2/4; fol. 82v, Z 18): "Ein stückhle weingartten in ~"
1722 am Schlinen (AS 2/5; fol. 25v, Z 21): "... ein stükhl [Weingarthen] ~"
1724 Amaschlina (AS 2/5; fol. 75v, Z 12): "... der halbe theil der Mägere ~ genant sambt halbem Zaún."
1727 Amaschlin (AS 2/3; fol. 67r, Z 24): "... Weingarten zú Triesen in ~ gelegen"
1728 Maschlinen (AS 2/6; fol. 15r, Z 24): "... weingartten in ~ ..."
1729 Maschlina (AS 2/3; fol. 114v, Z 6): "... zwaý Biern vnd einen Öpfelbaúmb ... in ~ genant zwischen Trisen vnd dem Herrschaffts Maýerhoff gelegen ..."
1732 Maschlinen (AS 2/15; fol. I 49v, 4. Sp. Z 8): "1 Stuck Weingarten samt fürhobt aúf ~ gelegen ... gegen Rhein [an die] Heimgaß ..."
1763 Ammaschlin (AS 2/8; fol. 214v, Z 16): "... Gúth in ~, stoßt ... gegen Rhein an die Maýerhof-Gasß ..."
1763 Amanschlina (RA 44/I/16b; fol. 1r, Z 16): "... 1 halbes Riethle in ~."
1777 Maschlina (GAT Buch 24; S. 25, Z 15): "... 1 stúkh an ~ von Vadútz ..."
1787 Marschlina (GAT 15-3; fol. 1v, Z 13): "Ein Stúck Heüwachs an ~ aús Feißt, Mager, Heü únd Streüe bestehend ..."
1788 Amschlina (AS 2/18; fol. I 39v, 4. Sp. Z 3): "... 1 Stuck Weingarten an ~ ..."

Wertung der historischen Belege
Seit 1440 widerspiegeln die Belege ziemlich einheitlich eine Sprechform /m½( r) ̜sln½/. Die Form von 1458 reflektiert bereits deutlich die Agglutination der Präposition an,die später immer wieder (teils in entstellter Form) auftritt: "ain wisen genant an maschlinen". Der älteste Beleg, 1367 Buschlinun, scheint freilich auf eine Frühform /pu̜sln½/ hinzudeuten. Grundsätzlich kommt ja älteren Formen der Vorrang zu; allein, es kann sich auch dort bloss um okkasionelle Verschreibungen handeln. Welche der beiden Formen der ursprünglichen Lautung näher kommt, lässt sich also nicht mit Sicherheit ermitteln; wir müssen jedenfalls die Deutbarkeit beider Varianten (auch in bezug auf ihre Plausibilität) prüfen. Ob das Ergebnis eindeutig sein wird, bleibt ungewiss.

Bisherige Deutungen
Büchel 1902, 17: Marschlina. 'Riet'.
Ospelt 1911, 73: Maschlina [i ma̜sl̓Œna].
Nipp 1911, 64f.: Ma( r) schlina [i ma̜sl̓Œn½] sehr selten [i m¼r̜sl̓Œn½]. Verbreitung und Form des Namens sprechen für eine Ableitung vom Personennamen MARCELLUS (oder MARSILIUS?). Es ist wohl von CURTIS, VILLA MARCELLINA auszugehen. Ob die Form mit oder ohne r ursprünglicher ist, ist unsicher. Bei einer Form ohne r wäre dann jedenfalls von einem MA(N)SELLINA auszugehen.
Seli 1912, 105: Maschlina.
Nipp 1924, 102: Maschlina.
Nipp 1958, 87: Maschlina. Das Etymon ist unklar, Suffix -INA.
Stricker 1976, 161: (A) maschlna.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps Rückgriffe auf antike Personennamen erscheinen schon im Lichte des oben Ausgeführten als unsicher; nicht anders ist sein Ansatz (mlat.) MANSUS ('Hube'; vgl. Stricker 1974, 14) + -ELL-INA zu bewerten. Nipp weist auf das ähnliche Marschlins Igis hin; dieses wird in RN 2, 749f. unter Hinweis auf die (sumpfige, riedige) Lage der Flur am Rand des alten Landquartbettes zögernd in Verbindung gesetzt mit lat. MARCIDUS 'welk', rtr. marsch 'faul', was für unser Maschlina (gelegen am Rand der Rheinebene, unter der Halda) rein äusserlich passen könnte. Eine Ableitung auf - ̄ELLA (+ -̅INA) wäre nirgends nachzuweisen; für Ableitung auf -̄OLU dagegen haben wir Imalschüel Sevelen (Vincenz 1983, 226ff.: dort allerdings mit Bezug nicht auf Sumpf, sondern auf morsches Gestein).

Deutung
a) Aufgrund einer Ursprungsform /m½( r) ̜sln½/ fällt in Betracht: artr. *marschüöl, feminin marschola 'faul, sumpfig', diminutivisch abgeleitet auf -̅INA, also artr. */mar̜soln½/ 'kleines Sumpfgebiet'. Die heutige Form wäre durch Synkopierung des Zwischentonvokals entstanden. Der älteste Beleg (1367 Buschlinun) wäre dann als verfremdet ausser acht zu lassen. Der Ansatz wäre sachlich plausibel (ehemaliges Riedland im Einzugsbereich des Talflusses). Maschlina grenzt an ein Gebiet namens Riet!
b) Ausgehend von einer Frühform /pu̜sln½/ kann rein formal eine Verbindung mit artr. purschiel 'Ferkel' (Diminutivbildung auf -̄ELLU zu artr. *püör̛c 'Schwein'), abgeleitet auf -̅INA, in Betracht gezogen werden. Ein mutmasslicher Reflex dieser Ableitung erscheint im Engadin: Puschlina Ramosch (RN: Acker in der Form eines Schweines); er würde auch zu urk. 1367 Buschlinun passen.

marschüöl
püörÝc