Alle Gemeinden Balzers Triesen Triesenberg Vaduz Schaan Planken
Eschen Mauren Gamprin Schellenberg Ruggell  
Namensuche      Liste
Martio  (Triesen)
6-T

*m½rt›̓œ (—m-)
Unbekannt. Nach Ospelt 1911, 73, Nipp 1911, 87 und Seli 1912, 106 oberhalb des Dorfes bei Eggastalta gelegen.

Historische Belege
1666* Mart̀yion (PfAT Urb 5; S. 14, Z 11): "... gúet in ~, stosst bergw[ärts] ans Tobel ..."
1669 Martian (AS 2/1; fol. 44r, Z 14): "... ein stúckh Mägere aúf ~ ..."

Wertung der historischen Belege
Die beiden Formen sprechen dafür, dass der Name älter auf /-n/ auslautete.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 73: Martio [im mart›̓œ].
Nipp 1911, 87: Martio [im m̄art›̓œ]. Das Etymon ist unklar, im zweiten Teil könnte -jo 'unten' stecken.
Seli 1912, 106: Martio.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp 1911 vermutet im Auslaut -io das rtr. jo, gio 'unten', was ganz fraglich bleibt.

Deutung
Ein auslautendes /-ion/ könnte zum Personennamen Jon 'Hans' passen.
a) Ein Doppelname aus Martin und Jon kommt in Frage: 1372 ist ein solcher in Tersnaus als Merthyon verzeichnet (RN 3, 389). Zur Entwicklung von Jon im (haupttonigen) Auslaut vgl. †Blenzlion Grabs (< artr. /plan Sant Jon/; Stricker 1974, 36). Hier fällt natürlich sogleich der Geländename Hans Marti ein, der allerdings auf die andere (nördliche) Seite des Dorfes bezogen ist: sprachlich liessen sich die beiden Bildungen dann verbinden, wenn einem rtr. */Martin ( dil) Jon/ 'des Hansen Martin' im Deutschen ursprünglich (des) Hansen Marti( n) gegenübergestanden hätte. Zu der im Alträtoromanischen (auch in Unterrätien) häufigen Bildung von Doppelnamen (des Typs Janjöri, Tönjachen, urk. Tschannthöny) vgl. ausführlich Stricker 1987, 101ff.
b) Nicht unmöglich ist aber auch ein verstümmeltes */munt ( d') Jon/ 'des Hansen Berg' (>*/m½t›̀on/ > /m½rt›̀on/). Dass das im selben Raum befindliche Hasaböchel älter *Hansenböchel geheissen hätte und damit die genaue deutsche Übersetzungsvariante zum rtr. */munt ( d') Jon/ darstellen würde, kann nicht wohl behauptet werden; auszuschliessen wäre es allerdings ebenfalls nicht.
c) Formal annehmbar wäre auch ein Reflex des Personennamens Matthäus, artr. /mat›̀e®/ oder /mat›̀o®/. Letztere Form hätte sich, falls unverstanden, unschwer in ein */m½t›̀o/ > /m½( r) t›o( n)/ verfremden können.

Martin
munt
Jon
Matthäus