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Feschagass  (Triesen)
5-S/T

Unbekannt. Gasse im Feld.

Historische Belege
1556 Rafäschen gäßlin (PfABe d/5; fol. 2r, Z 20): "... im ausßeren ganpont vier mitmal Ackher stoßen aufwert dem Landt nach an ~"
1556 Raföschen geßelin (PfABe d/5; fol. 3r, Z 12)
1556 Rofäschen geßlin (PfABe d/5; fol. 3v, Z 1)
1610 Feschen gasß (PfABe d/10; fol. 2r, Z 23): "Item aber ein Pündt beý der ~ stost ... gegen den Ryn an die Landstras, abwerth dem Landt nach an ein Heimgasß."
1610 Fescha gass (U 65; Z 23): "... Ain Pündt bey ~ ..."
1610 Fescha gass (GAT U 42; Z 23): "... Ain Pündt bi ~ ..."
1622 Veschen Gass (GAT Urb 1607; S. 167, Z 14): "... den Gatter beý der ~ ..."
1666* Fäscha-Gässlin (PfAT Urb 4; S. 20, Z 12): "... ihr Stúkh Bomgart in oder ob Capont zú Trisen gelegen, stosst vfw[ärts] an dz ~, Rheinw[ärts] an der Capell Äkherli ..."
1692 Foschen gässchen (SchäV 153a/b; a, fol. 2b): "... vfwerdts an die Heimbgassen ~ genandt."
1692 Fäscha gässlin (SchäV 153a/b; b, fol. 2b): "... Akherlin, stosst abw: an das ~. Rheinw: an Jacob Panzers lehenguet. Vfw: an ... Olga Gasner. Bergw: an ..."
1723 Feschen Gäßle (AS 2/5; fol. 35v, Z 12-13): "... acker beý dem ~ únd Knebel-Brúck"
1725 Feschen-Gass (AS 2/5; fol. 110v, Z 31): "... ein acker aússer der ~ ..."
1725 Fleschen Gassen (AS 2/3; fol. 10v, Z 5): "... Acker im Trießner Feldt gelegen ... abwerts an die ~ ... stosßend ..."
1730 Fescha Gasen (AS 2/6; fol. 91r, Z 26): "... ackher beý der ~ ..."
1738 Feschen Gasß (AS 2/7; fol. 220v, Z 20): "... ackher in dem Trisner Feldt, hinter der ~ stost ... gegen Rhein an das Meßner Gúeth ..."
1777 Fescha Gassen (GAT Buch 24; S. 58, Z 3): "... akher bey ~ ..."
1777* Fassa-Gäßlein (AS 2/10; F 41, Z 8): "... Acker hinter dem ~ ... abwerts an die Gaß ..."

Wertung der historischen Belege
Es ist offenbar von einer älteren Form †Rafäscha-Gass auszugehen, wie die Belege des 16. Jahrhunderts zeigen. Diese schwachtonig anlautende Form ist dann durch Abwurf der ersten Silbe zu †Fäscha-Gass gekürzt, d. h. zu der vom Alemannischen bevorzugten Erstsilbenbetonung verändert worden. Der Vorgang ist in unserem Raum häufig (vgl. Stricker 1981c, 40).

Bisherige Deutung
Nipp 1911, 67: Feschagass. Möglicherweise ist (wie Faschiels) auch das urkundliche Feschagasch, Feschagass in Triesen zu FASCIA zu stellen.

Besprechung der bisherigen Deutung
Nipps Anknüpfung an rtr. fascha (< lat. FASCIA) wird gegenstandslos, wenn sich †Fäscha als blosse Rumpfform eines ursprünglichen Namens †Rafäscha oder ähnlich erweist. Damit entfällt ein Zusammenhang mit den zahlreichen Fesch( a)-Namen Unterrätiens, wie etwa in Nenzing, Tschagguns, Schruns, Bartholomäberg, Wartau, Sevelen, usw.

Deutung
Der Fall ist nicht mit Sicherheit zu klären. Es bleiben mehrere Möglichkeiten offen. Zuerst stellt sich die Frage ist, ob in der Endung ein verschriebenes -ätscha (zum lat. Suffix -ACEA) gesehen werden darf. Zwar spricht die konsequente sch-Schreibung dagegen; jedoch hängt viel davon ab, wann der Name ausser Gebrauch geriet: ein Teil der Belegreihe liesse sich dann unter Umständen als falsch abgeschrieben ausscheiden.
a) Bei einer Ausgangsform †Rafäscha kann älter wohl †Raväscha, möglicherweise primäres †Ravaischa mit mundartlicher Monophthongierung /-̀ai-/ > /-̀‰-/ vorausgesetzt werden. Damit ist an den in Graubünden und im Etschland mehrfach auftretenden Namentyp Raveisch/Ravais-ch erinnert: Raveisch Rueun, urk. 1496 Reweysch Trin, Ravecs-ch [r½v̀ek̜s̛c] Bravuogn, Raveisch Samnaun, ferner Planol, Burgeis (Südtirol). Es wurden dafür die Deutungen *REVERS(I)US 'zurückgewendet' und artr. *rivesc < RIPISCU 'am Ufer gelegen' vorgeschlagen (vgl. RN 2, 807).
b) Falls in der Endung das Vergröberungssuffix -ACEA gesehen werden darf, steht ein artr. rovatscha f. 'grosse «Rüfe», Geröllhalde' im Vordergrund. Es schiene möglich, dass die jüngere Verbindung mit dt. Gass f. ein älteres *via da rovatscha 'Rüfeweg' weiterführt. Dies würde passen zum Verlauf des Gässchens unter dem Röfiwald, unterhalb des Ausgangs der steilen Runse Tüfres-Guggerbodatobel. Weiter ist zu vermuten, dass das so genannte Gässchen, das (insbesondere angesichts des Kontexts von Beleg 1556) vielleicht mit der heutigen Langgass identisch war (wohl eher als mit Bofelweg oder Periolweg) vom Dorf südwärts in Richtung Badtobelröfi und/oder Lawenaröfi führte (wo sich auch Mühle und Säge befanden). Es könnte daher zwanglos und mehrfach ein sachlicher Bezug zum Begriff Rüfe hergestellt werden.

rivesc
rova
Gasse