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Faschiels  (Triesen)
600 m; 758,82 - 219,90 5-S

f½̜s̀‘¼ls (~ / g— ~ / — ~ / fœ ~)
Wiesenhang westlich unter dem Goldiga Rank, nordöstlich ob dem Weierstall.

Historische Belege
1690* Faschiels (PfAT Urb 2; S. 14, Z 15): "... ab seinem weingart, obs- vnd heüw wax an ~"
1696 Faschiels (GAT Urb 1672; S. 32, Z 18): "... sein theil aúf der Mihlin Weithe, stost ... abwerts dem landt nach ahn ~ ..."
1700 Voschilis (AS 2/1; fol. 57r, Z 26): "... sambt dem halben stúckh hinder ~ genandt"
1700 Vaschils (AS 2/1; fol. 139r, Z 8): "ab vnserer aigener gerechtigkeit an dreýen stúckhen an Vaschils genandt"
1721 Faschilß (AS 2/10; F 22a, Z 4): "Ein Stúck Heüwachs an dem aússeren ~ oder des Gantners Gütly genannt, stoßt ... Rhein werth an die Heim oder Gmeind Gaß ..."
1721 Voschilis (AS 2/4; fol. 141v, Z 11): "... schldig seýen die dreý zúgefallene theil in ~ ledig únd looß zú machen ..."
1724 Faschiels (AS 2/5; fol. 89v, Z 20): "Ein Stückle gút und ein Viertl Theil Stall am ~"
1725 Vaschließ (AS 2/18; fol. I 31v, 4. Sp. Z 17): "... 1 Stuck Gút im ~ ..."
1729 Affaschiels (AS 2/6; fol. 58v, Z 21-22): "... aúf ~ ligender weingartten ..."
1729 Faschiels (AS 2/6; fol. 59r, Z 16): "... von Johannes Barbier herrührende gúett in ~"
1756 Vafiels (AS 2/8; fol. 67r, Z 17): "... 1 Stuck Heüwachs aúf ~ [stösst] ... gegen Rhein an die Haimgasß ..."
1758 Faschiels (AS 2/8; fol. 107r, Z 5): "... ein Stúckh Faißt Heü Gúth Samt baúm Wachß an ~, stoßt ... Rheinwerts an die Haim Gasß ..."
1777 Afaschils (GAT Buch 24; S. 33, Z 15): "1 stúkh ~ ..."
1781 Vaschließ (AS 2/18; fol. I 32v, 4. Sp. Z 7-8): "... 1 Stuck Heúgút an dem aússeren ~ oder des Gantsners Güthle [stösst] ... Rheinwerts [an die] Gemeindgaß ..."
1786 Afaschiels (GAT Urb 1607; S. 125, Z 7): "... ihr eigen stúckh Haü wax an ~ genandt ..."
1790 Waschiels (AS 2/18; fol. II 50v, 4. Sp. Z 9): "... 1 Stuck Heúwachs in ~ ..."
1804 Offenschils (AS 2/18; fol. II 66v, 4. Sp. Z 5): "... 1 Stuck f[eist] Heú Wax ~ genannt [stösst] ... Abwerts ans Bächle, Rheinwerts [an die] Wagen Gaß ..."

Wertung der historischen Belege
Die Formen geben insgesamt keine ältere Ausspracheform wieder; es ist von /f½̜s¼ls/ auszugehen. Gelegentlich (1729, 1777, 1804) erscheint Agglutination der Präposition an.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 67: Awaschiels [i ́af¼̜s¼ls]. Zu denken wäre an FASCELLUM im Sinne von 'Wiesenstreifen' (vgl. [f̠‰¹̜sa] f. 'Wickel, schmaler Tuchstreifen'). Nach J. B. Büchel zum Namen des Edelgeschlechts Schiel (sollen ihren Sitz bei Awaschiels gehabt haben). AQUA + schiel 'Anhöhe' also 'Bach auf der Anhöhe', was jedoch fraglich ist.
Ospelt 1911, 17: Awaschils, Faschiels [afa̜s¼ls].
Seli 1912, 105: Avatschiel.
Stricker 1976, 152 N.12, 161: Afaschels ( älter), Afaschel. FASCIS + -ELLU.
Büchel 1980, 17: Avaschiel. 'Bach auf der Anhöhe'.
Büchel 1980, 21: Avaschiel. Bedeutet 'Schielbach' und steht in Zusammenhang mit dem Rittergeschlecht von Schiel, die im 14. und 15. Jh. auf einer Anhöhe nördlich von St. Mamerten wohnten.
Vincenz 1983, 43: Afaschiel( s). Nach Nipp zu lat. FASCELLUM 'Wiesenstreifen', verglichen mit rtr. fascha 'schmaler Tuchstreifen' < lat. FASCIA 'Band, Binde'.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Die Verbindung von Faschiels (bei Nipp noch Awaschiels) mit dem Namen der Edlen von Schiel (so Büchel 1902, 151) wird von Nipp zwar referiert, jedoch offensichtlich angezweifelt und in Teilen widerlegt. Zu Recht: Büchels These ist völlig fragwürdig, wenigstens solange undurchsichtig bleibt, was bei ihm etymologische Spekulation und was von anderer Seite gesichertes historisches Wissen (bezüglich derer von Schiel) ist. Sprachgeschichtlich bleiben seine Ausführungen haltlos: "Die von Schiel [...] hatten ihren Sitz, wie schon der Name sagt [!], auf der Anhöhe nördlich von St. Mamerten. Jene Gegend hiess in der romanischen Zeit schiel 'Anhöhe'; daher die heute noch gebräuchlichen Namen avaschiel 'Schielbach', und montschiel oder matschiel 'Schielhöhe' oder 'Schielmatte'. [!]" Büchel leitet also den Namenteil -schiel- von rtr. tschiel m. 'Himmel' (lat. CAELUM) ab, was sicher verfehlt ist, ebenso wie die Deutung des (älteren) Namenanlauts Afa( schiels) als AQUA-Reflex.

Deutung
Ein artr. *faschiel oder *faschüöl lässt sich im Namen vermuten; allerdings können in Faschiel( s) verschiedene Etyma zusammenfallen. Das auslautende /-s/ kann einerseits Pluralmorphem sein, anderseits (echter oder auch unetymologischer) Rest eines altromanischen Nominativ-Singular aus der Zeit der erhaltenen Zweikasusflexion (vgl. dazu etwa Stricker 1974, 80, N. 2). Der Name findet sich ähnlich auch als †Fischiel Buchs (Vincenz 1983, 43) und als †Faschiel Seewis i. Pr. (urk. 1475: Acker; RN 2, 687). Als Bedeutungen und Herleitungen kommen für uns in Betracht (wobei Singular oder Pural in Frage kommen):
a) 'Kleines Wiesenband, schmaler Streifen', zu lat. FASCIA 'Band, Binde', abgeleitet auf -̄ELLU (oder -̄OLU).

b) 'Kleines Bündel, kleine Traglast', zu lat. FASCIS 'Bund, Bündel', abgeleitet auf -̄ELLU (oder -̄OLU); als Geländename vielleicht 'Fläche, die eine kleine Heu(trag)bürde abträgt'.

c) 'Grüne Bohne; Bohnenstaude', zu gr.-lat. PHASĒOLUS 'Bohne', rtr. faschöl m. (E). Als Import aus dem Lombardischen, der sich nicht in ganz Romanisch Bünden durchgesetzt hat (nur E, C), scheint das Wort für Unterrätien allerdings nicht sicher ansetzbar.

faschiel