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Pralawisch  (Balzers)
490 m; 757,30 - 215,00 4-W/X

pŕal¼w̓‘̜s (~ / ¥f ~ / ¥fd¼r ~ / fœd¼r ~)
Wiesen, Häuser und Strasse nordöstlich oberhalb des Züghüsle. Nach Osten teils bis zur Balzner Allmein ansteigend.

Historische Belege
1416* pr̜alavisch (LUB I/3; S. 381): "ain wisen ~ halb stzt ausserthalb an die waid Jndrent an ... gütter"
1690 Prallawisch (SchäU 152; fol. 4a): "Vnd was ich dem Otmar Kaufmann, Anthoný Niggen ... wegen ihrer weiber Vätterlich Erbs portion am Haus auf ~ bezahlt, verehr ich dem Valentin, Annelý vnd ..."
1735 Bralla Wisch (AS 2/7; fol. 82v, Z 14): "... ein Stúckh Gúth aúf ~ in dem Púndtle ..."
1743 Gallerrisch (AS 2/16; fol. I 33v, 4. Sp. Z 3-4): "Haús, Hoff únd Baúmgarten aúf ~"
1808 Pradawisch (GAB 5'200-S10; Nr. 36)

Wertung der historischen Belege
Die älteren Belege geben die heutige Aussprache wieder; später sind offenkundig Entstellungen im Spiel, die für die Deutung des Namens ohne Belang sind.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 53: Pralawisch [uf tr pralav̜s]. Wohl pra + Aloisiu. Der Personenname lautet in Balzers [v̞Œs“] (älter [v̠‹s“]) oder [̀alav́‹s“], mit hiatustilgendem v.
Ospelt 1911, 85: Pralawisch, auf - [uf pŕal¼w̜s].
Nipp 1924, 102: Pralawisch.
Broggi 1978, 214: Pralawisch. Tiefenthaler 1968 sieht einen Zusammenhang mit Lärche (Larix decidua).

Besprechung der bisherigen Deutungen
Kübler 1926, 133 zitiert unter lat. LARIX 'Lärche' auch ein *Pralarisch Balzers, welches zweifellos aus unserem Pralawisch graphisch entstellt ist. (Tiefenthaler 1968, 164 übernimmt Küblers Angabe, weist aber auf die Möglichkeit des genannten Irrtums hin.) Ein */pra l̀ari̜s/ passt aber schon betonungsmässig nicht zu Pralawsch. Nipps Ansatz ist richtig.

Deutung
Artr. pra( u) Alois 'Wiese des Alois' dürfte vorliegen, und zwar in asyndetischer Verbindung (d. h. ohne Präposition DE dazwischen), gleich wie etwa in Brambrüesch Malix (< artr. pra[u] †Ambrüesch < AMBROSIUS) oder in Prufatscheng Triesenberg (< artr. pra[u] Vintschegn < VINCENTIUS). Der Personenname Alois selber und die Verbindung mit PRATUM fehlen zwar in Graubünden ganz; in Liechtenstein aber gehört Alois (bzw. Aloisi, woraus die alemannische Kurzform Wisi) zu den geläufigen Vornamen. Die Bildung Pralawisch setzt voraus, dass der germanische Name Alois (< ahd. alw̠‹si 'der sehr Weise') zur Zeit der Zweisprachigkeit im Hochmittelalter bei uns bereits angesetzt werden kann; als Patrozinium scheint er hier nicht auf (vgl. Müller 1959), im Gegensatz zu Uri (UNB 1, 69 nimmt nebst dem Vornamen auch auf den Heiligennamen St. Aloisius Bezug). Der Übergang des auslautenden /-s/ zu /-̜s/ geht wohl von der latinisierten Form ALOISIU mit der intervokalischen Konsonantengruppe -SJ- aus: diese ergibt im Rätoromanischen normal ein stimmhaftes /̜z/; mit Desonorisierung im sekundären Auslaut.

pra(u)
Alois