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Prafatell  (Balzers)
476 m; 756,52 - 214,26 3-X

pŕaf¼t̀‰̡l (~ / šs ~ / šm ~ / fœm ~)
Wiesen, Häuser und Strasse zwischen Böchel1 und Iradug.

Historische Belege
1474 Prevadel (PAW U 1; Z 17): "... ain mansmad riedt neben ~ ..."
1690* Pravadill (PfAT Urb 2; S. 38, Z 9): "... ein stúckh gúet ~ genant ..."
1723 Pravadil (AS 2/5; fol. 46r, Z 7): "... ein halb Mann-Mad Ried in der ~ ..."
1724 Braffadil (AS 2/5; fol. 122r, Z 23-24): "... ein Mannmad Ried in ~ ..."
1797 brava dill (RA 47-1797/8/8; fol. 1r, Z 18): "... ein stúk Riet in der ~ genant ..."
1808 Prafadill (GAB 5'200-S10; Nr. 32): "in ~"
1808 Pravatill (GAB 5'200-S10; Nr. 145): "in ~"

Wertung der historischen Belege
Die historischen Formen geben ein /prav½d( ¼)̡l/, evtl. /-t( ¼)̡l/ wieder: die noch bei Ospelt 1911 und Nipp 1911 in der Schreibung erscheinende diphthongische Stufe -ie- sowie die Aussprache /-d̀“̡l/ bei Nipp scheinen dabei der heutigen Aussprache /-t̀‰̡l/ noch vor kurzem vorausgegangen zu sein. Sicher sind auch die bei Ospelt 1911, 85 erwähnten Formen 1474 Prenadel und folgende hierherzustellen (mit -n- verschrieben aus -u- bzw. -v-).

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 71: Prafadiel, -ill [i praf¼d̀“̡l]. PRATUM + evtl. VITELLU oder auch VADUM, falls die Sage stimmt, wonach sich hier einst eine Rhein-Schifflände befand.
Ospelt 1911, 85: Prafadiel, Prafadill, in - [i pŕaf¼t̀‰̡l].
Ospelt 1911, 85: Prenadel, Prennadill.
Ospelt 1920, 75: Prafadill.
Nipp 1924, 103: Prafadill. Im zweiten Wortteil ist wohl VADUM 'Furt' enthalten ('Übergang, Landungstelle'), denn die gleichen Örtlichkeit heisst auch Schifflände (nach älteren Gewährsleuten).
Nipp 1924, 102: Prafadill.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Lat. VADUM 'Furt' (RN 2, 356) fällt hier aus lautlichen Gründen (Erhaltung des intervok. lat. -D-!) ganz ausser Betracht, gleichviel, ob die Örtlichkeit früher (nach Nipp) auch den Namen Schifflände trug oder nicht.

Deutung
Artr. pra( u) (d') vadiel 'Kälberwiese' ist in sachlicher und sprachlicher Hinsicht gleichermassen plausibel. Die Verhärtung des /-d-/ > /-t-/ seit der jüngsten historischen Schreibung ist auffällig (evtl. Assimilation zum anlautenden Fortisokklusiv p-).

pra(u)
vadiel