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Prad  (Balzers)
530 m; 757,3 - 213,5 4-Y

pr̓¡d (~ / ¥f ~ / ¥f ~ / fœ ~)
Wiesen südlich des Fläscher Riets. GR.

Historische Belege
1474 Prad (PAW U 1; Z 18): "... drey mansmad wisen ze ~ in Quadratsch."
1565 prad (SchäU 70; Z 10ff.): "... vier manmad auf ~. vnnder and gelegen, Stost gegen perg an die allmain, aufwert dem Lannd nach an Liennhart verlingenn vnnd Liennhart Kaufmanns hausfrowen guet, gegen Rein vnnd gegen der Stras, an Jacoben vnnd Drisen Ruedin, abwert dem Land nach an gemelten marthin Erhart ..."
1707 Brad (AS 1/3; fol. 101v, Z 18): "Conradt Banzer [von Balzers] ... ein Püntle aúf ~ ..."
1719 Pradt (AS 2/4; fol. 1r, Z 16): "... die Pünt aúff ~ die Spiz Wieß genandt ..."
1723 Brad (AS 2/5; fol. 31v, Z 12-13): "... Mann Mad Wiesen aúf ~ beý den Maüerle ..."
1726 Brad (AS 2/3; fol. 24v, Z 28): "Johann Frick von Baltzers ... sein dreý Viertltheil Wieß aúf ~ gelegen, gegen der Staig an dz Hofgút, gegen Baltzers an Gemeindgraben, gegen Melßner Holtz an ..."
1729 Bradt (AS 2/3; fol. 163r, Z 6): "... wiß aúff ~ in der Bradt Bündt gelegen ... gegen St. Catharina Brúnen an ..."
1736 Brad (AS 2/7; fol. 103r, Z 24): "... Wiß aúf ~ únter dem Hochen Reihn ... Bergwerts an dz Ramschwagische Hoff Gúth ..."
1762 Brad (RA 44/I/22; fol. 5v, Z 9): "... halb Mamath Wis aúf ~ únder der Bünt ..."
1789 Brood (PAW U 8; Z 31): "... Wies aúf ~ genannt oder die zweýfach Maaden ... abwerts an den Gemeindsweeg ..."
1789 Brood (PAW U 8; Z 30): "... Wies aúf ~ beý dem Melser Riegel genannt, stoßt aúfwerts an daz Búrggút ..."
1830 Brod (PAW U 9; Z 26): "Dreý Mannsmahd Wiese auf ~ Bündtner Territorium ..."

Wertung der historischen Belege
Die Formen geben den heutigen Lautstand wieder, abgesehen von der Verdumpfung des Tonvokals A > /-¡-/, die schriftlich nicht in Erscheinung tritt. Die graphische Wiedergabe des anlautenden /p-/ mittels B- steht in Zusammenhang mit der bei uns wirkenden Anlautverhärtung von ahd. b-, d-, g- (vgl. SDS 2, 169: Blatt > Platt); in der Weise, dass in Analogie zu dieser Lauterscheinung (vgl. auch Hotzenköcherle 1934, § 99) auch beim rom. Namen einer gesprochenen /p/-Form eine (durchaus deutsche!) B-Schreibung zugeordnet wurde. Die graphische Wiedergabe des auslautenden Dentals mit -dt im frühen 18. Jh. entspricht den Schreibgewohnheiten jener Zeit; sie muss keineswegs eine Fortisierung des Auslautkonsonanten anzeigen. Ospelt 1911, 84 gibt weitere Formen, worunter 13. Jh. in Prade.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 19: Brad [uf pr̠¡d, gi br̠¡d]. PRATUM 'Wiese', die Erhaltung des t als d ist wahrscheinlich durch Analogie aus prada zu erklären.
Ospelt 1911, 84: Prad, auf - [uf pr̠¡d].
Nipp 1924, 102: Prad.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Die Herkunft des Namens wird durchwegs erkannt.

Deutung
Artr. prada f. 'Wiesland', kollektiv zu rtr. pra (E), prau (S). Der Namentyp tritt häufig in Graubünden auf (elfmal allein in Deutschbünden). Dabei scheint die kollektive Bedeutung teils verwischt worden zu sein, wie die erneute Pluralbildung Pradas für Maiensässe in Schlans und Lumbrein bezeugt. Die heutige Form /pr̀¡d/ hat sich unter deutschem Einfluss entwickelt: sie zeigt Abfall des auslautenden -a und Verdumpfung des Tonvokals /̀a/ > /̀¡/. In unserem Raum sind beide Erscheinungen weitgehend die Regel. Ausfall von auslautendem -a haben wir auch in andern Liechtensteiner Namen (etwa Iraggell Vaduz); ebenso ist die Verdumpfung des rätoromanischen Tonvokals /̀a/ > /̀¡/ in unserem Gebiet sehr häufig; nur im relativ spät verdeutschten Wartauer Raum finden wir noch ein «rein romanisches» Prada.

pra(u)