Alle Gemeinden Balzers Triesen Triesenberg Vaduz Schaan Planken
Eschen Mauren Gamprin Schellenberg Ruggell  
Namensuche      Liste
Falzigera  (Balzers)
550 - 900 m; 757,6 - 212,4 4-Z

f́altsšg̓“r½ (~ / ¥̡f- / ¥̡f- / fœ ~)
Wald südlich beim Stockwald und westlich der Steigwesa. GR.

Historische Belege
1779 falzigeren (GAB 016-1; S. 224): "... wegen dem waldt in ~ ..."
1779 Falzigera (RA 30/9/61; fol. 1r, Z 16): "... in Ansehung der Waldúng hinter ~ ... gewaltthätiger Weise ... beschädigt werden ..."

Wertung der historischen Belege
Die Belegschreibungen geben die heutige Aussprache wieder.

Bisherige Deutungen
Nipp 1911, 79: Falzigera [i f́altsig̓“r½]. Wohl VALLIS *CAECARIA, obwohl nahegelegenes Tschingel ein /t̜s/ aufweist (die Liquida kann von Einfluss gewesen sein). VALLIS SALICARIA ist begrifflich unwahrscheinlich, lautlich wäre es möglich (l-Dissimilation).
Ospelt 1911, 36: Falzigera [f́́altsig̓“ra].
Nipp 1924, 102, 106: Valzigera. Enthält [rtr.] val.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipp ist auf der richtigen Spur.

Deutung
In Graubünden finden wir den gleichen Namen an zwei Orten (vgl. RN 2, 885): Valzagära Fläsch (urk. 1447 Vallugera) bezieht sich direkt auf den hier behandelten Ort; die Belegform ist offensichtlich verschrieben (evtl. als Val¹ugera [also mit -s-] zu lesen?). Weiter erscheint in Nordbünden Valseg̀era Igis (urk. 1394 Vall segeyr, 1467 Fallaschgära). Die Interpretation der Formen ist nicht ganz leicht. Vermutlich aber handelt es sich hier um die Problematik, die auch bei Namen wie Gonzen (< rtr. *cuntscha) oder Ragaz (älter auch /Ragatsch/) auftritt, nämlich den Übergang von primärem rtr. /t̜s/ in ein sekundäres (nach der Verdeutschung entstandenes /ts/ (siehe ausführlich Stricker 1981b, 179 mit Anm. 4; ferner allg. Camenisch 1963, 138). So gesehen scheint es plausibel, von einer primären Form /val t̜sag̀‰ra/ auszugehen, die übrigens in der Belegform 1467 Fallaschgära (für Igis) - metathetisch abgewandelt - gesehen werden darf. Für die ganze Gruppe passt als Herleitung sprachlich ausgezeichnet rtr. val tschaghera 'Nebeltal'. Der Übergang von /t̜s-/ zu /ts-/ stellt, wie oben ausgeführt, keine Probleme; er lässt sich in unserem Raum vielfach beobachten und dürfte mit dem Sprachwechsel einhergegangen sein. Aus sachlicher Sicht ist dem Ansatz schwerlich Entscheidendes entgegenzusetzen. Falzigera liegt an der gegen Osten zum Tälchen von St. Luzisteig abfallenden Flanke des Fläscherbergs; der zum Rheintal seitliche Taleinschnitt mag zeitweise noch von Nebel erfüllt sein, wenn das Haupttal nebelfrei ist.

val
tschaghera