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Angaschnal  (Balzers)
480 - 640 m; 756,8 - 213,6 3-Y

a¾Å½̜sn̓al (s ~ / ¥fs ~ / šm ~ / ¥s¼m ~)
Waldhang westlich von Prad. GR. War früher Weide.

Historische Belege
1677 an garschnal (GAB 016-1; S. 42): "me ~ Vnd Morder brg ..."
1678 an angarschnall (GAB 016-1; S. 42)

Wertung der historischen Belege
Das anlautende An- ist agglutinierte deutsche Ortspräposition an (wozu grundsätzlich Stricker 1976; Stricker 1980b). Im Beleg von 1677 scheint die deutsche Präposition an noch voll agglutiniert zu sein. Die romanistische Deutung hat damit von einem artr. *caschnal (Lautform /[r]̜sǹal/) auszugehen. Ob das /r/ vor /̜s/ in der Vortonsilbe dabei etymologisch berechtigt oder bloss sprosshaft auftritt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 15: Angaschnal, an - [a-n-́a¾ka̜sn̓al].
Nipp 1911, 110: Ankaschnal [an ́a¾k¼̜sn̓al]. CASINALIUM 'beim Häuschen', mit Präposition an; CASINALE liesse k¼̜sn̓¡l erwarten; /s/ > /̜s/ kann deutsch oder romanisch sein, die Präposition an muss schon vor Schwund von dessen n angetreten sein.
Nipp 1924, 102: Anggaschnal.
Stricker 1976, 152, N.12: Anggaschǹal. CAPSU + -INU + -ALE.
Stricker 1981d, 228, N.40: Angaschnal. Mit agglutinierter Präposition, die ihre syntaktische Funktion eingebüsst hat.

Besprechung der bisherigen Deutungen
Nipps *CASINALE bzw. -NALIU (zu CASA 'Haus') ist so in Graubünden nirgends belegt (RN 2, 83). Der Ansatz it. cascina 'Hütte' + -ALE, also */k½̜siǹal/ (so Stricker 1976, 152, N. 12 Nr. 175) ergäbe problemlos /k½̜sǹal/, jedoch beschränkt sich der Typ praktisch auf Italienischbünden, was ihn für uns unwahrscheinlich macht.

Deutung
Der auf die deutsche Präposition an folgende Namenstamm *caschnal ist nicht sicher zu deuten. Zu erörtern wären die folgenden, allerdings unbefriedigenden Ansätze:
a) Zu rtr. caschńer m. 'Kornhiste' (< *CASINARIU) existiert eine Nebenform *CASINALE (RN 2, 84; Huber 1944, 74), die *cASCHNAL ergäbe und möglicherweise hier vorliegt. Das Motiv der Namengebung bliebe dabei unsicher. Zur grundsätzlichen Frage, ob Kornhisten in unserem Raum existiert haben mögen, siehe die Überlegungen bei Stricker 1996, 32 (s. v. Histe) und 33, N. 97. Der Ort selber scheint freilich in jedem Fall nicht zum Sachzusammenhang der Kornhiste zu passen, weshalb eher von einer übertragenen Bedeutung auszugehen wäre, deren Motiv allerdings unersichtlich bleibt.
b) It. cascina f. 'Hütte' ist in unserem Sprachraum unwahrscheinlich (siehe oben).
c) Zu rtr. grascha f. 'Mist' ist eine toponymische Ableitung auf -INA (in RN 2, 114) bezeugt: etwa Carschina (St. Antönien, Luzein). Hiezu wäre nun noch Ableitung auf -ALE nötig, was in Graubünden nicht belegt ist, sprachlich indessen nicht unmöglich erscheint. Semantisch ist der Ansatz allerdings wieder schwierig, denn der steile Weidhang südwestlich über dem Fläscher Riet gegen den Fläscher Berg (heute Wald) war schwerlich einmal gedüngtes Land. Der Ansatz bleibt also auch sehr fraglich.
d) Rtr. crusch f. 'Kreuz' ergibt im Diminutiv auf -INA toponymisch etwa Cruschina, Carschinas (nur in Romanisch Bünden; vgl. RN 2, 118); dazu wäre eine Ableitung auf -ALE anzusetzen (*/kŕu̜ziǹal/ > */kr½̜sǹal/ > */k½r̜sǹal/ > /k½̜sǹal/). Die Sache bleibt rein lautlich möglich, ist sonst aber auch nicht wahrscheinlich zu machen.

caschnèr
cascina
grascha
crusch