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Anaresch  (Balzers)
480 m; 755,8 - 213,9 2-Y

́an½r̀‰¹̜s (~ / ~ / ~ / fœ ~)
Wiesen, Häuser und Strasse im Oberfeld, zwischen Anell und dem Südwestrand von Mäls. Örtlich identisch mit Bim Krüz1.

Historische Belege
1416* arÒatsch (LUB I/3; S. 381): "ain halb Juchart ligt an ~ an ... gt gehort z der burg"
1474 Aratsch (PAW U 1; Z 21): "... wisen in ~, stozzen umbundvmb an der obgenannten Burg Gtt."
1723 Anarösch (AS 2/5; fol. 31v, Z 11): "Wiesen ~ genandt, an dz Rambschwagt(ische) gúth"
1725 Resch (AS 2/5; fol. 112v, Z 3): "... Wieß an ~ sambt einem Weingarten zú Melß."
1726 Aresch (AS 2/3; fol. 22v, Z 25): "Thomas Brúnhart von Baltzers ... Wieß an ~ ..."
1728 Aresch (AS 2/6; fol. 29v, Z 3): "... das besßer halb Júchert ackher gegen ~ ..."
1784 an Aresch (AS 2/16; fol. I 22v, 4. Sp. Z 5-6): "... Wiß ~ [stosst] Aufwärts [an die] Ellwiß"
1789 Anareesch (PAW U 8; Z 21): "Dreýmal acker ~ genannt, stoßt zú dreýen Seiten an das Burggúet ..."
1808 an Arresch (GAB 5'200-S10; Nr. 109)

Wertung der historischen Belege
Die Formen von 1416 (abschriftlich erhalten in einem Auszug aus dem späten 15. Jh., vgl. LUB I/3, 381) und namentlich 1474 geben wohl eine authentische ältere, romanische Lautung wieder, nach der sich die Deutung zu richten hat. Sie zeigen auch, dass das anlautende An- der jüngeren Belege agglutinierte deutsche Ortspräposition ist (dazu grundsätzlich Stricker 1976).

Bisherige Deutungen
Ospelt 1911, 15, 87: Annaresch, Am Resch [anar̀‰̜s, a r̀‰̜s, ts ́anar̀‰̜s].
Ospelt 1920, 67: Annaresch.
Nipp 1924, 106: Anaräsch. Das Wort enthält wahrscheinlich (ligur.) -ASCU.
Seger 1965, 43: Anaresch.
Stricker 1976, 162: Annar̀esch.
Stricker 1981b, 380: Annaresch, Resch. Die Gruppe der Resch-Namen in Graubünden, Unterrätien, Vintschgau vielleicht zu sutselv. resch 'Ackerrand'; dieses ist bislang ungeklärt, offenbar aber vorrömisch.
Stricker 1981c, 40: Annaresch, Resch. Daraus entstand auch ein Rumpfname Resch.

Besprechung der bisherigen Deutungen
In Stricker 1981b, 379ff. wird das erreichbare Material zu den Resch-Namen Graubündens und Unterrätiens erörtert, worunter Resch Triesen, Resch Schaan, aber auch unser Anaresch figurieren. Das Verhältnis des letzteren zu den vorangehenden bleibt unklar; möglicherweise ist die vermutete Verbindung zurückzuweisen.

Deutung
Artr. *eratsch m. 'geringer, schlechter Acker'. Die Entwicklung verlief von artr. /‰r̀a̜c/ nach der Verdeutschung zu einem /½r̀‰t̜s/. Bemerkenswert ist in vorliegendem Fall, dass der Wechsel zwischen -tsch und -sch nicht als eine bloss graphische Erscheinung abgetan werden kann (die in den Namenschreibungen der hochmittelalterlichen Urkunden ebenfalls recht häufig anzutreffen ist), sondern dass augenscheinlich auch in der Aussprache ein Wandel von älterem /-t̜s/ zu /-̜s/ stattgefunden hat. Ob dieser Umstand auch bei der Deutung der Resch-Gruppe zu berücksichtigen wäre, bleibt dagegen fraglich, da dort auch die älteren Belege keine Annäherung an artr. eratsch zeigen. Gehört evtl. das unlokalisierte †Agrasch hieher?

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