Gesamtes Alphabet A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z
Wortsuche   Liste
Rinartr.

/rin/
m., 1. Nebenform zu Rein, rtr. Name des Flusses Rhein; 2. allg. 'Talbach' in verschiedenen Tälern Romanischbündens.

Neben der rtr. Form Rein des Flussnamens Rhein scheint auch eine (nur toponomastisch nachzuweisende) Nebenform Rin bestanden zu haben. Diese Annahme drängt sich auf entgegen der ablehnenden Haltung, die Andrea Schorta in Zusammenhang mit dem Weilernamen Surrin Lumbrein hierbei zum Ausdruck gebracht hat; vgl. RN 2, 854: "Die herkömmliche Abl. aus sur*Rin 'über dem Rhein' ist falsch, da der Rhein r[ätoromanisch] Rein, Rain und nicht Rin heisst. Unwahrscheinlich ist, dass sich hier ein altes gall. R̅INOS (REW 7327) erhalten hat. Die ausgedehnte bronzezeitliche Siedlung auf Crestaulta spricht wie bei Vrin für vorröm. [scil. vorkeltische!] Abkunft des Namens." (Der genannte Autor bleibt bei dieser Auffassung in Schorta 1988, 138.) Die Argumentation wirkt nicht schlüssig. Gerade das Lugnez, aber auch die obere Surselva, unterlagen vor der Zeitenwende als Randzone des rätischen Raumes auch starken keltischen Einflüssen, die das rätische Volkstum dort umformten: in Graubünden waren es die keltischen Lepontier, die von Süden her in das Gebiet des Vorderrheins herübergriffen und dort in archäologischen Funden (im Lugnez und in Darvella bei Truns), aber auch in Ortsnamen (etwa Dardin und Breil und offenbar der Talname Lumnezia/Lugnez selber) ihre einstige Präsenz manifestierten. Ein entsprechendes Übergreifen keltischer Volksteile und Kultureinflüsse vollzog sich auch im Rheintal zwischen Chur und Bodensee, nur erfolgte hier der Einbruch vom vindelizischen Norden her. Im Vorarlberger, Liechtensteiner und Bündner Rheintal hat das Keltentum in den Namen von Wasserläufen und Ortschaften so deutliche Spuren hinterlassen, dass dort eine zunehmende sprachliche Vorherrschaft des Keltischen über das Rätische vermutet werden darf (vgl. Stricker 1981c, 12). Vor diesem Hintergrund ist nicht einzusehen, dass Surrin (bzw. das Element -rin) nicht über das Keltische zu erklären sein sollte, zumal die Lage des Weilers jenseits des Talflusses Glenner, gegenüber der hauptsächlich urbarisierten Talseite, durchaus dem Benennungsmuster entspricht, das im Falle von Surrein in der Gemeinde Sumvitg zur Anwendung kam: auch Surrein liegt «über» (also ennet, rtr. sur) dem Talfluss (dort: der Vorderrhein): Ob surRein oder surRin - die Bezeichnung meint eben doch das gleiche. Da bekanntlich in Rheinisch Bünden ausser dem Rhein auch andere Talbäche als Rein bzw. Rain/Ragn bezeichnet werden - neben Rain in Tujetsch und Rein in Medel (für die Oberläufe des Vorderrheins) auch Ragn im Oberhalbstein für die Julia (vgl. RN 2, 281) -, kann diese generelle Verwendbarkeit von Rein/Rin auf den jeweiligen Talbach fraglos auch auf den Glenner (rtr. Glogn), den Talfluss des Lugnez, angewendet werden, dort mit Bezug auf den Weilernamen Surrin: dieser ist eben doch als *surRin aufzufassen, und damit ist eine alte Parallelform Rin neben Rein einigermassen zwingend anzunehmen. - Damit scheint der Weg frei, diese Nebenform Rin auch im Falle von Gamprin aufzugreifen. Schortas Hinweis (für ihn "unwahrscheinlich") auf ein gallisches R̅INOS 'Fluss' (REW 7327), das wir von hier aus nicht weiter verfolgen können, schiene damit eben doch interessant. Denn es dürfte sicher sein, dass das im Rtr. zu postulierende Nebeneinander der zwei Typen Rein und Rin sehr alt (nämlich in vorrömische Zeit zurückreichend) sein wird: im Unterschied etwa zum Reliktwort bleis-blis (siehe oben s. v. bleis) kann hier die i-Form (Rin) schwerlich mit der germanischen Rezeption des alten Flussnamens erklärt werden: es wäre denn doch unlogisch, in den beiden rtr. Syntagmen surRin (für das Lugnez) und campRin (für Liechtenstein, siehe unten) Einmischung von ahd. r̠‹n sehen zu sollen. Dagegen spricht zum einen, dass den Romanen des Liechtensteiner Rheintals der alte Flussname gewiss nicht erst von den Alemannen «gebracht» wurde (sie kannten ihn natürlich schon vorher); zum andern könnte ohnehin eine solche Operation im bis heute romanischen hinteren Lugnez nicht in Frage kommen. Es scheint damit legitim, neben rtr. Rein auch eine alte Form Rin für den Fluss Rhein (sowie, in Graubünden, auch für gewisse Nebengewässer) anzunehmen. Von diesem Rin ist unten auszugehen.


Dieses Wort kommt in folgenden Namen vor: 

 Nominal verbunden